Kommuniziert wurde noch nichts. Kein Wunder, denn der Wechsel von Jino Omar, Direktorin der Zürcher Bethanienklinik, zur Hirslanden-Gruppe birgt Zündstoff. Omar trat ihre Stelle bei der Privatklinik Bethanien erst im Juli 2011 an. Nun erfolgt der Sprung zur Konkurrenz, der Spitalgruppe Hirslanden, die 14 Kliniken umfasst und seit 2007 zur südafrikanischen Spitalgruppe Medi-Clinic International gehört. Diese setzte zuletzt 2,2 Milliarden Franken um, insbesondere mit Krankenhäusern in Südafrika, Namibia, den Vereinigten Arabischen Emiraten und in der Schweiz.

Hirslanden-Sprecher Peter Werder bestätigt die Abwerbung: «Jino Omar wird bei uns die Aufgabe übernehmen, das internationale Patientengeschäft aufzubauen.» Der genaue Zeitpunkt ihres Wechsels ist noch nicht bestimmt. Man freue sich sehr, mit Omar eine erfahrene Führungsperson für die Gruppe gewonnen zu haben, sagt Werder.

Omar ist bei der Hirslanden-Gruppe keine Unbekannte: Die 36-jährige Deutsche war vor ihrer Zeit bei der Bethanien-Klinik bereits einmal beim Spitalunternehmen tätig, während vier Jahren in leitender Stellung. Nun werden grosse Hoffnungen in sie gesetzt für das Geschäft mit Patienten aus dem Ausland, die sich Schweizer Spitzenmedizin etwas kosten lassen. Schliesslich hat Omar auch schon bei der Bethanien-Klinik den ausländischen Patientenbereich aufgebaut.

Heute trägt die gutbetuchte ausländische Kundschaft aus Deutschland, der Arabischen Halbinsel und Russland erst rund 3 Prozent zum Umsatz von Hirslanden bei. Diesen Wert will CEO Ole Wiesinger deutlich steigern. In den vergangenen Jahren gelang es Hirslanden mehrfach, renommierte Ärzte von Universitätsspitälern abzuwerben, zum Teil auch gleich ganze Gruppen. Offenbar soll Omar ebenfalls ein Team von der Bethanien-Klinik zu Hirslanden folgen.

Bei der Bethanien-Klinik am Zürichberg, die zur Westschweizer Spitalkette Genolier Swiss Medical Network gehört, ist man «not amused». Zunächst wollte ein Sprecher die Personalie Omar auf Anfrage nicht einmal bestätigen und später gar nicht mehr kommentieren.

Die Genolier-Gruppe, die 13 Kliniken in der Schweiz betreibt, hatte Bethanien Anfang 2010 für 18,5 Millionen Franken übernommen und begann sofort mit grossen Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten für rund 15 Millionen Franken – nicht zuletzt, um wohlhabende Patienten aus dem Ausland für sich zu gewinnen.

Die Klinik stellt ihren exklusiven Krankenbett-Gästen in grossen Suiten mit Seesicht, Dolmetscher, Limousinen mit Chauffeur und Butler zur Verfügung. Zu den Neuzugängen nebst der Bethanien-Klinik gehören auch die Privatklinik Lindberg in Winterthur und La Providence in Neuenburg. Zudem hält Genolier eine Minderheitsbeteiligung an der Luxus-Privatklinik Pyramide am See in Zürich. Diese Woche gab Antoine Hubert, Delegierter des Verwaltungsrats, bekannt, dass bis Ende des Jahres zwei weitere Übernahmen geplant seien. Langfristig lautet das Ziel, das Netzwerk von heute 13 Standorten um 10 weitere Kliniken zu erweitern. 2012 setzte die Gruppe 344 Millionen Franken um. Im Verwaltungsrat von Genolier sitzen illustre Namen, unter anderem Raymond Loretan, seinerseits Präsident der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG.

Für die Bethanien-Klinik von Genolier fällt der Abgang Omars mitten in die Festivitäten des 101-Jahr-Jubiläums nach den grossen Sanierungsarbeiten.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!