Die Urteilsverkündung am Freitagabend kurz vor 18 Uhr war ein Riesenschock für Carl Hirschmann (31). Niemals hatte der Millionenerbe mit einem Schuldspruch gerechnet. Freunden, die ihm am Morgen vor dem Urteil per SMS Glück wünschten, antwortete Hirschmann noch siegessicher. «Carl hatte absolut keine Zweifel. Er war überzeugt, das Gericht als freier Mann zu verlassen. Für ihn ist eine Welt zusammengebrochen», so ein Bekannter des Verurteilten. «Er hat grosse Angst davor, ins Gefängnis zu gehen – vor allem davor, wie die Mitinsassen auf ihn reagieren. Ich bin sicher, er wird das Urteil anfechten.»

Jetsetter Hirschmann wurde vom Zürcher Bezirksgericht der mehrfachen sexuellen Nötigung, der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern, der mehrfachen versuchten Nötigung, der einfachen Körperverletzung und der Tätlichkeit für schuldig erklärt. Der französisch-schweizerische Doppelbürger wird zu 33 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Davon sind 19 Monate bedingt, 14 Monate muss er hinter Gitter.

Klar ist: Wenn Hirschmann alle Rechtsmittel ausschöpft, bis vor Bundesgericht zieht und das Urteil so bleibt, dann wird er erst in rund zwei Jahren seine Haftstrafe antreten müssen – in welcher Anstalt, ist offen.

«Naheliegend wären das Bündner Gefängnis Realta oder die Strafanstalt Saxerriet im Rheintal», sagt der Strafverteidiger Valentin Landmann. «Ein solcher Gefängnisaufenthalt ist mit der Rekrutenschule zu vergleichen, nur weniger anstrengend – es kann einem schnell sehr langweilig werden, denn Arbeit ist nicht Pflicht. Das Handy müsste er abgeben, er hat aber die Möglichkeit über das Anstalt-Telefon zu telefonieren.» Schon bald könnte Hirschmann etwa einmal pro Monat für ein Wochenende in den Hafturlaub.

Dass der Millionär im Gefängnis zum Freiwild wird, hält Jurist Landmann für unwahrscheinlich. «Es ist nicht so, wie es in den US-Krimis dargestellt wird – man wird hier im Strafvollzug nicht vergewaltigt oder niedergestochen. Wie er von den anderen Häftlingen dann aufgenommen wird, hängt stark von seinem Verhalten ab.»

Flieht Hirschmann ins Ausland, um sich vor dem Gefängnis zu drücken, fliessen fünf Millionen Franken Kaution, die er in den kommenden Tagen hinterlegen muss, in die Staatskasse. Und er würde per internationalen Haftbefehl gesucht.

Ob Carl Hirschmann das Urteil ans Obergericht weiterzieht, ist offen, zehn Tage hat er dafür Zeit. Seine Anwältin Dominique von Planta hatte aber bereits im Verlauf des Prozesses in Aussicht gestellt, dass sie dies tun werde. Auf Anfrage wollte der Verurteilte keine Stellung dazu nehmen. Ein neues Zuhause muss er sich seit gestern auch suchen: Weil er im Luxus-Hotel Dolder nicht mehr erwünscht ist, wohnt er vermutlich bei seinem Bruder.

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