VON MARTIN MEIER

Fest steht: G. erteilt hinter den Mauern seines mit Überwachungskameras streng gesicherten Hauses nicht nur Musikunterricht. Während Jahren betätigt er sich auch als Heiler. Und: Gegenüber Nachbarn prahlte er mit «schwarzen Messen», die er zelebriere.

Teufelsmessen sind okkulte, meist pseudoreligiöse Feiern, die von Menschen praktiziert werden, die dem Okkultismus nahestehen oder sich als Satanisten bezeichnen. Dabei wird die katholische Messe verhöhnt. Kreuze werden auf den Kopf gestellt, traditionelle Gebete rückwärts aufgesagt. Im Mittelpunkt steht eine Person, die als Medium die Verbindung zur Geisterwelt, zu dunklen Mächten und zu Satan herstellt. Nach uralter Tradition werden «schwarze Messen» oft auf dem Körper nackter Frauen zelebriert. Vielfach werden diese mit Katzenblut verschmiert.

Sind solche «Schwarze Messen» der Auslöser der schrecklichen, mutmasslichen Tat des Heilers? «Es könnte sein, dass satanistische Vorstellungen dahinterstehen», sagt Josef Sachs, Gerichtspsychiater der Klinik Königsfelden AG. «Gewalthandlungen gibt es im Zusammenhang mit dem Glauben an die Übernahme der Weltherrschaft durch Satan. Möglich wäre auch», so Sachs weiter, «eine Infektion im Rahmen eines satanistischen Rituals, zum Beispiel der Besiegelung einer Blutsbrüderschaft.» Mit diesem Ritual wollen Satanisten dunklen Mächten zum Durchbruch verhelfen und sich ewige Treue bis zum Tod schwören.

Heiler G. soll seine Opfer mit einer mit Aids infizierten Spritze angesteckt haben. Er selber ist HIV-negativ. Woher er die Viren hatte, ist unklar. Klar hingegen ist, dass die Behörden noch eine zweite, HIV-positive Person im Visier haben. Wie Ernst Reber, der Anwalt des Heilers, erklärte, existieren Briefe des zweiten Angeschuldigten. Darin soll von Blutsbrüderschaft die Rede sein, die einige der Aids-Opfer eingegangen sind.

Der Fall des Heilers wird 2005 durch das Inselspital Bern aufgedeckt. Den Ärzten fällt auf, dass Aidspatienten medizinische Hilfe suchen, die keiner Risikogruppe angehören. Sie hatten alle Kontakt zu Heiler G. Dieser wird mehrmals in U-Haft gesetzt – aber immer wieder freigelassen. Untersuchungsrichter Hermann Fleischhackl gegenüber dem «Sonntag»: «Wir können den Heiler nicht einfach auf Verdacht hin wegsperren. Es braucht dazu auch harte Fakten.»

Die Voruntersuchung soll 2011 abgeschlossen sein. Dann wird sich zeigen, ob dem Heiler der Prozess gemacht wird. «Sollten die Vorwürfe zutreffen, wäre dies ein absolut einmaliger Fall», so Gerichtspsychiater Sachs. G. selbst bestreitet die Tat.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!