VON CLAUDIA MARINKA UND NADJA PASTEGA

Der Kopftuch-Streit geht in die nächste Runde: Bei offiziellen Basketballspielen darf die 19-jährige Irakerin Sura Al-Shawk aus Ebikon LU bis auf weiteres kein Kopftuch tragen. Das Amtsgericht Luzern-Land lehnte es diese Woche ab, mit einer vorsorglichen Massnahme das Korbwerfen mit Kopftuch zu erlauben. «Wir ziehen dieses Urteil nicht weiter, sondern konzentrieren uns auf die Hauptverhandlung», sagt der Zürcher SP-Nationalrat Daniel Vischer, Anwalt von Sura Al-Shawk. «Jetzt wird ein verbandsinternes Schiedsgerichtsverfahren eingeleitet», so Vischer, «je nach Ausgang behalten wir uns vor, das Urteil an ein staatliches Gericht weiterzuziehen.»

Das Kopftuchverbot des Gerichts ruft Kritiker auf den Plan – an vorderster Front den deutschen Islamprediger Pierre Vogel. «Das ist eine klare Diskriminierung. Sura Al-Shawk ist einer der Gründe, warum ich in die Schweiz kommen wollte», sagt Vogel, «ich wollte das an der Kundgebung in Bern ansprechen.» Das Kopftuch gehöre für eine Muslimin zur «religiösen Pflicht».

Sura Al-Shawk distanzierte sich auf ihrer Homepage von dem Islamprediger, der von den deutschen Behörden als radikal eingestuft wird. Vogel schrieb der Basketball-Spielerin mehrere Mails. «Nachdem sie auf ihre Homepage schrieb, dass sie sich von mir distanziere, habe ich gefragt, von welchen Punkten genau sie sich distanziere. Ich habe dann keine Antwort mehr von ihr bekommen.»

Der zum Islam konvertierte Deutsche plante, am 14. Februar im Zürcher Volkshaus aufzutreten – und erhielt erneut eine Abfuhr. Die Volkshaus-Geschäftsleitung drohte damit, den Saal nicht zu vermieten, falls der Islamprediger auftritt.

Jetzt ruft Vogel von Deutschland aus zu einer Demonstration für Sura Al-Shawk auf. «Gegen den Entscheid des Gerichts, das Kopftuch beim Basketballspielen zu verbieten, muss man auf die Barrikaden», fordert Vogel: «Da müssen 5000 Muslime auf die Strasse und sich eine Stimme verschaffen. Ich wäre sofort bereit, eine Kundgebung zu organisieren.»

Die Schweizer Muslime haben sich bisher bedeckt gehalten. Jetzt meldet sich erstmals einer der führenden Exponenten zu Wort: «Wir stehen mit voller Sympathie hinter Sura Al-Shawk», sagt Farhad Afshar, Präsident der Islamischen Organisation Schweiz. Der Entscheid des Luzerner Gerichts sei «Rassismus». Er begrüsse es daher, wenn Al-Shawk alle rechtlichen Schritte ausschöpfen wolle. «Die Verfassung steht über den Interessen des Basketballverbands. Und das heisst: Es gilt Religionsfreiheit», sagt Af-shar: «Würde man das gleiche Prinzip bei anderen Sportlern anwenden, dürften Schweizer Fussballspieler im Ausland kein Schweizer Kreuz mehr auf dem Trikot tragen.»

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