VON KURT-EMIL MERKI

Es war ein Montag im Spätherbst des Jahres 2010. Hans Jucker, Besitzer des «Arche-Pub» in Affoltern am Albis, war zu Besuch beim «Rössli»-Wirt in Beinwil im Freiamt. Ich war zusammen mit einem Freund als Wanderer unterwegs und hatte das «Rössli» zufällig für einen Marschhalt gewählt. Jucker erkannte in mir bald mit scharfem Blick einen seiner hartnäckigsten und treusten Kritiker.

Und sah an diesem Nachmittag grosszügig darüber hinweg. Das sei für ihn jetzt erledigt, sagte er. Er erzählte ein paar Anekdoten. Vor allem sprach er aber über die bevorstehende Pensionierung, auf die er sich zu freuen schien. Als wir uns nach ein paar Gläsern voneinander verabschiedeten, taten wir dies nicht als Freunde, das wäre denn dann doch zu stark geheuchelt gewesen. Aber wenigstens in gegenseitigem Respekt.

Am 29. Januar kommentierte Hans Jucker zum letzten Mal für das Schweizer Fernsehen einen Sportanlass. Nachdem das letzte Pferd am CSI im Zürcher Hallenstadion die letzte Hürde übersprungen hatte, sagte Hans Jucker «nicht auf Wiedersehen, sondern ganz einfach: Adieu mitenand.» Und dann legte er die Kopfhörer zur Seite.

Jetzt gilt es vom Mann mit der blechigen Stimme, dem prägnanten Säuliämter-Dialekt und dem markanten Schnauz endgültig Abschied zu nehmen. Jucker in einem seiner letzten Interviews: «Den Schnauz nehme ich mit ins Grab». Wie sein Bruder gestern gegenüber «blick.ch» bestätigte, starb der Sportreporter am Samstagmorgen in seinem Haus in Affoltern an einem Herzinfarkt. Bis zu seiner Pensionierung hatte Jucker 46 Jahre lang über alle möglichen Sportarten berichtet – über 10 000 Live-Stunden insgesamt.

Er galt als Spezialist im Radsport, Damenskifahren, Curling, Reiten und Boxen. Jucker, der im Leutschenbach bei seinen Kollegen beliebt war, weil er als Allrounder auch für jede noch so exotische Randsportart eingesetzt werden konnte, war kein Sprachkünstler. Er verfügte im Gegenteil über ein beschränktes Vokabular und bediente sich gerne aus dem Klischeekasten. So säumten bei ihm immer «Menschenmassen» das Zielgelände. Und wenn ein Radrennfahrer ein «horrendes Tempo» anschlug, dann sah ihn Jucker gerne «feuerwerken».

Interesssant, wie aus dem lange harsch kritisierten und oft auch belächelten Sport-Reporter zum Schluss eine Art Legende wurde. Seine nicht für die Zuschauer gedachten Bemerkungen über «Schiisponys» und die «dumme huere Ruederer» wurden via Youtube kult. Und dass er Peter Müller einst mit Pirmin Zurbriggen verwechselt hatte, nahm ihm zum Schluss niemand mehr übel.

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