Vordergründig geben sich die SBB hart. Mit Händen und Füssen wehren sie sich gegen die Forderung des Bundesamts für Verkehr, ein Schwarzfahrer müsse anders gebüsst werden als ein Passagier mit einem Ticket in der falschen Klasse. Hinter den Kulissen brütet die Bahn jedoch sehr wohl über einem differenzierten Bussensystem. «Wir arbeiten an einer Anpassung der Zuschläge», sagt SBB-Sprecher Roland Binz. «Denkbar ist eine Abstufung je nach Fall.»

Peter Vollmer, Direktor des Verbandes öffentlicher Verkehr (VöV), bestätigt die Gespräche unter den Transport-unternehmen: «Wir überlegen uns, Leute, die ein un-vollständiges Billett haben, anders zu behandeln als solche, die gar keines haben.» Dieses neue Regime würde nicht nur bei den SBB gelten, sondern in allen Transportfirmen, die dem Verband öffentlicher Verkehr angehören. Das sind nebst den Bundesbahnen die BLS, Postauto Schweiz sowie die meisten Privatbahnen, Schiffs-, Tram- und Busbetriebe.

Beispielsweise könnten Passagiere, die in der falschen Klasse sitzen oder eine Zone zu weit gefahren sind, künftig weniger stark zur Kasse gebeten werden als Reisende ohne Billett. Ebenfalls denkbar ist laut Vollmer eine tiefere Busse für Leute, die vergessen haben, ihre Mehrfahrtenkarte abzustempeln.

Heute zahlen Schwarzfahrer in der Schweiz eine Einheits-busse – unbesehen von der Schwere ihres Vergehens: Wenn sie zum ersten Mal ohne Billett in einem Regionalzug, einem Bus oder einem Tram erwischt werden, werden ihnen 80 Franken aufgebrummt. Beim zweiten Mal kostet es 120 Franken, beim dritten Mal 150 Franken.

Diese Mindestansätze will Peter Vollmer nach dem Systemwechsel auf keinen Fall senken – im Gegenteil: «Der Preis wird eher steigen als sinken, denn wir wollen unkorrektes Verhalten nicht noch belohnen. Wer gar kein Billett hat, muss mit höheren Bussen rechnen.»

Die neue Bussenordnung führt also insgesamt zu schärferen Strafen. Auch die SBB arbeiten auf eine Erhöhung der Bussen hin. «80 Franken sind die unterste Stufe», sagt Mediensprecher Roland Binz. Die Gebühr deckt schon heute die Kosten der Kontrolltätigkeit nicht.

Wie stark die Bussen steigen, wird die VöV-interne Kommission für Personenverkehr demnächst festlegen. Klar ist: Peter Vollmer will die neue Regelung möglichst bald einführen. «Das kann schon in diesem Jahr sein.»

Noch am Freitag hatte es ganz anders getönt: Die SBB liessen verlauten, ein differenziertes Bussensystem lasse sich «aus technischen und praktischen Gründen nicht recht-fertigen». Mit dieser Begründung reichten sie beim Bundes-verwaltungsgericht Beschwerde gegen einen Entscheid des Bundesamtes für Verkehr ein. Dieses hatte im März die Busse für einen Reisenden aufgehoben, der mit einem 2.-Klasse-Billett in der 1. Klasse erwischt worden war.