Nur gerade dreieinhalb Minuten dauert der Film «Grounding 2026», mit dem Regisseur Michael Steiner im Auftrag der Economiesuisse gegen die Abzocker-Initiative kämpfen wollte. Doch der Wirtschaftsdachverband verlor den Mut – und untersagte die Ausstrahlung des polemischen Kurzfilms. Michael Steiner nimmts gelassen, denn er arbeitet bereits an einem nächsten Projekt. An einem «richtigen Film», wie er sagt. «Ähnlich wie bei ‹Grounding – die letzten Tage der Swissair› möchte ich das Grounding der Schweizer Banken aufarbeiten», kündigt er an. Das sei alles noch viel schlimmer als bei der Swissair.

Steiner ist seit Herbst daran, intensiv zu recherchieren. Gespräche mit Private Bankern in Zürich und Genf bestärken ihn in seinem Projekt: «Es ist unglaublich, was Schweizer Banken mit ihren Mitarbeitern gemacht haben», erzählt er. «Sie haben sie einfach verraten, an die USA ausgeliefert.» Auch die Rolle der Finanzmarktaufsicht (Finma) wird kritisch beleuchtet. Vor allem in dem Moment, wo grünes Licht für die überstürzte Übermittlung von Daten an die US-Behörden gegeben wurde. Michael Steiner recherchiert unter anderem im Umfeld von UBS-Whistleblower Bradley Birkenfeld. Der Banker sagte in den USA gegen seinen früheren Arbeitgeber aus. Das ermöglichte ein ausgedehntes Verfahren gegen die UBS in den Vereinigten Staaten. Für seine Kooperation erhielt Birkenfeld von der US-Steuerbehörde 104 Millionen Dollar.

In den Gesprächen mit Bankern hat Steiner herausgefunden, «dass Oswald Grübel der einzige UBS-Chef war, dem sie vertraut haben». Auch Abenteuerliches bekam er zu hören: «In Genf behauptete einer, er habe das Konto von Osama Bin Laden gesehen.» Steiner spürt bei den Bankern grosse Angst: «Das Schlimmste steht ihnen noch bevor.» Darum sei der Filmstoff auch so aktuell. «Der Zug ist gerade am Abfahren», sagt der Regisseur. «In zehn oder zwanzig Jahren wird man sehen, was das Ende des Bankgeheimnisses für Folgen hat.» Die Verarbeitung des Swissair-Debakels im ersten «Grounding»-Streifen war ein grosser Erfolg: 378 000 Personen sahen den Film 2006 im Kino – es war die bestbesuchte Schweizer Produktion in jenem Jahr.

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