Für Schüler und Studenten wird es immer schwieriger, in den Ferien zu einer Arbeitsstelle zu kommen. Grosse Firmen verzichten vermehrt für die meist kurze Einsatzdauer von wenigen Wochen auf den Einsatz von ungelernten Schülern. Sie setzen auf eigene, qualifiziertere Mitarbeiter. «Wir haben weniger Aushilfsjobs als vor fünf Jahren», bestätigt etwa Nadja Ruch, Mediensprecherin von Coop. In der Ferienzeit werde dafür häufiger auf internes Personal zurückgegriffen.

Raphael Frangi, der eine Online-Plattform für Studenten- und Ferienjobs betreibt, registriert ebenfalls einen deutlichen Einbruch. Seit sechs Jahren vermittelt er auf seiner Internetsite mini-jobs.ch Stellen für Studenten und Schüler. «In diesem Bereich haben wir einen Rückgang von gegen 20 Prozent», sagt er. Seines Erachtens hänge dies mit dem Spardruck der Unternehmen und den gesunkenen Kapazitäten in den Personalabteilungen zusammen.

Eine andere Erklärung hat Yvonne Baumgartner vom Stellenvermittler Manpower. Zwar sei einerseits der Wille in den Firmen tatsächlich gesunken, Geld und Zeit für die Einarbeitung von Schülern und Studenten einzusetzen. Andererseits habe aber der seit kurzem gültige Gesamtarbeitsvertrag für den Personalverleih «keine optimalen Auswirkungen» auf das Gewerbe. Der GAV, der seit dem 1. Januar 2012 in Kraft und für alle Stellenvermittler mit einem Volumen von mehr als 1,2 Millionen Franken jährlich verbindlich ist, bringe mit seinen Mindestlohnansätzen Schüler und Studenten auf ein relativ hohes Lohnniveau. Dieses wolle von den Kunden oft nicht mehr bezahlt werden. Der Gesamtarbeitsvertrag sieht für Ungelernte unter 20-Jährige einen Stundenlohn von 20 Franken vor, in Hochlohnregionen wie Zürich oder Basel-Stadt steigt dieser auf knapp 22 Franken. «Der GAV bestimmt insbesondere auch Mindestlöhne, die oft auf einem Niveau der gelernten oder erfahrenen Mitarbeiter sind», sagt Baumgartner. «Dadurch gibt es zunehmend weniger Ferienjobs.»

Diese Begründung will Hansjörg Schmid vom Angestelltenverband «Angestellte Schweiz» nicht gelten lassen. Einerseits gebe es im GAV eine Ausnahmeregelung für unter 17-Jährige. Diesen könnten bis zu 15 Prozent tiefere Löhne bezahlt werden. Studenten und Schüler, die sich nicht von Temporärbüros vermitteln liessen, seien zudem gar nicht vom neuen Gesamtarbeitsvertrag betroffen. Würden Unternehmen Schüler und Studenten direkt rekrutieren, könnten sie diese nach wie vor zu den gleichen Konditionen beschäftigen. «Wenn Unternehmen eine Reduktion des Angebots mit dem GAV begründen, ist das ein vorgeschobenes Argument», sagt er.

Oliver Kuhn vom Stellenvermittler Esprit findet denn auch eine alternative Erklärung. Nicht zuletzt sei die Nachfrage nach Ferien- und Studentenjobs enorm gestiegen. Der steigende Konsumbedarf bei Jugendlichen führe zu einem vermehrten Ansturm auf die Ferienjobs. «Das verstärkt das Gefühl, das Angebot habe nachgelassen», sagt Kuhn. «Es bedeutet aber nicht automatisch, dass weniger Jobs vorhanden sind.» Der GAV führe aber zu einer Verschiebung der Beschaffungsquellen. Für Studenten und Schüler würden dadurch Netzwerke und Bekannte zum wichtigen Faktor im Rennen um einen Ferienjob.

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