Nach Griechenlands grösstem Konzern Coca-Cola Hellenic zieht es weitere griechische Unternehmen in die Schweiz. «Ich habe in den vergangenen Wochen mehrere Anfragen von griechischen Firmen erhalten, die sich für die Schweiz als neuen Standort interessieren», sagt Nikolaos Aggelidakis, Präsident der Schweizerisch-Griechischen Wirtschaftskammer. Darunter seien mehrere Nahrungsmittelproduzenten und Informatikfirmen. Aggelidakis spricht von einer «Kettenreaktion»: «Die Firmen bereiten einen Plan B vor, falls es in Griechenland bezüglich Steuerniveau schlimmer wird.»

Jüngstes Beispiel: Am Freitagnachmittag erhielt er einen Anruf vom Präsidenten und Konzernchef einer börsenkotierten Nahrungsmittelfirma. «Er wollte wissen, welche Schritte er unternehmen müsse, um in der Schweiz eine Holding zu gründen und dann den Hauptsitz in die Schweiz zu verlegen.» Dabei soll es sich laut Informationen aus Athener Börsenkreisen um Griechenlands führenden Fischfutterproduzenten handeln.

Der Exodus aus dem krisengeschüttelten Griechenland in die steuergünstige Schweiz ruft die EU auf den Plan. «Wir akzeptieren keine schädlichen Steuerregimes mehr», sagt Emer Traynor, Sprecherin des EU-Steuerkommissars Algirdas Semeta, gegenüber dem «Sonntag». Und das Schweizer Steuerregime sei schädlich: «Es dient einzig dazu, Firmen aus anderen Ländern anzulocken und diesen Steuersubstrat wegzunehmen.» Bis zum EU-Gipfel am 13. Dezember erwarte Brüssel von der Schweiz Lösungen für das Problem.

Selbst bürgerliche Politiker äussern sich kritisch zum Zuzug von Coca-Cola Hellenic. Als «heikel» bezeichnet GLP-Präsident Martin Bäumle die Neuansiedlung. «Symbolisch ist der Umzug nicht gut», sagt auch der Genfer FDP-Nationalrat Huges Hiltpolt.

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