VON SANDRO BROTZ UND PIRMIN KRAMER

Trimbach am vergangenen Donnerstag um 20 Uhr: Die Polizei stoppt zwei Personenwagen. Sie sind mit «stark übersetzter Geschwindigkeit» unterwegs, wie die Kantonspolizei Solothurn schon am Freitag mitteilte. Doch erst gestern Abend wird klar, dass es eine Verbindung zum Raser-Prozess von Schönenwerd gibt.

Der Regionalsender Tele M1 enthüllt, dass der Polizei einer der drei Angeklagten ins Netz gegangen ist. Er soll mit deutlich über 100 Stundenkilometern in ein illegales Autorennen involviert gewesen sein. Angeblich fuhr er in eine Radarfalle.

Kapo-Sprecher Andreas Mock will gegenüber dem «Sonntag» keine Stellung nehmen und sagt nur: «Wir haben zwei Autos bemerkt, die im Niederamt viel zu schnell unterwegs waren. Wir suchen Zeugen, damit wir die Fahrt der beiden Schnellfahrer rekonstruieren können.»

Der TV-Sender beruft sich auf eine sichere Quelle, wonach ein zweiter Angeklagter im Raser-Prozess von der Polizei verhaftet wurde. Dieser sei wegen Fahrens ohne Führerschein inhaftiert worden. Es handle sich um Cemal A. und Vedran B. Zusammen mit Nekti T. stehen sie seit Montag vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen. Sie waren in einen Unfall verwickelt, der in der Nacht auf den 8. November 2008 zum Tod der 21-jährigen Lorena W. führte.

Der Tatort von damals liegt nur wenige Kilometer von der Stelle entfernt, an dem zwei der drei Raser jetzt wieder von der Polizei erwischt wurden. «Das ist einfach unglaublich», sagt der Lebenspartner von Lorenas Mutter Brigitte W. zum «Sonntag». Cemal A. und Vedran B. hätten «offenbar nichts gelernt».

Er ist überzeugt, dass die jüngsten Vorfälle noch während des laufenden Prozesses einen Einfluss auf das Urteil haben werden: «Spätestens jetzt wird der Richter merken, dass es unverbesserliche Raser sind».

Zu dieser Einschätzung kommt auch der Co-Gründer der Strassenopfer-Stiftung «Roadcross», Roland Wiederkehr: «Diese neuen Vergehen werden zweifellos strafverschärfend wirken.» Die Konsequenzen müssten «absolut hart sein», so Wiederkehr: «So etwas kann die Gesellschaft nicht tolerieren.»

Lorenas Tod durch das Raser-Trio hatte dazu geführt, dass «Roadcross» eine Volksinitiative für die härtere Bestrafung von Rasern gestartet hat. Wiederkehr erwartet im Fall Schönenwerd Gefängnisstrafen in der Höhe von fünf Jahren. Die drei 20-jährigen Männer griechischer, türkischer und kroatischer Herkunft müssen sich wegen vorsätzlicher Tötung verantworten.

Der Raser-Prozess geht morgen Montag um 7.30 Uhr im Stadthaus Olten mit den Plädoyers des Staatsanwalts und der drei Verteidiger weiter. Sollten sich die neuen Vorwürfe bewahrheiten, dürften die Plädoyers nochmals überarbeitet werden müssen. Die Urteilseröffnung ist auf den 27. Oktober angesetzt.

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