Die Lage in Bahrain hat sich gestern zugespitzt: Nach Ausschreitungen wurde ein Demonstrant tot aufgefunden. Angehörige erklärten, er sei von Polizisten erschossen worden. Für heute kündigt die Opposition, die für demokratische Rechte demonstriert, neue Proteste an.

Im Formel-1-Tross versucht man, Normalität vorzuspielen. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone sagt zum «Sonntag»: «Ja, das Thema gibt zu reden, aber an der Strecke ist alles bestens. Wir freuen uns auf das Rennen.» Die Fahrer schwiegen zu den Protesten und zur Rolle des Sports. Weltmeister Sebastian Vettel, der aus der Poleposition starten wird, sagte: «Unser Job ist der Sport, sonst nichts.»

Vereinzelt werden die TV-Stationen kritisiert, die das Rennen normal übertragen – so auch das Schweizer Fernsehen. Medienpolitiker und SP-Nationalrat Hans-Jürg Fehr: «Ich fände es besser, wenn das Fernsehen auf eine Live-Übertragung verzichten würde und stattdessen einen Zusammenschnitt des Rennens brächte, eingebettet in eine politische Berichterstattung.» Den Fahrern und Organisatoren wirft Fehr vor, Partei für das Regime zu ergreifen, indem sie sich nicht zu den Protesten äusserten.

SRG-Verwaltungsratspräsident Raymond Loretan sagt auf Anfrage: «Zensur wäre falsch. Man sollte das Rennen übertragen, aber zugleich auch objektiv über die politischen Probleme berichten.» Ähnlich sieht es SP-Nationalrat und Ex-TV-Sportjournalist Matthias Aebischer. Die Hürde für eine Absage der Live-Übertragung müsse sehr hoch liegen. Das Problem sei der Automobilverband FIA, der bei der Vergabe der Rennen «nur auf die Kohle» achte.

SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner fordert die FIA auf, gegen die Verletzung der Menschenrechte zu protestieren. Und er sieht eine Chance für die Schweiz: Giezendanner will einen neuen Anlauf nehmen, das Verbot für Rundstreckenrennen aufzuheben: «Ich bereite einen Vorstoss vor.» Die Musterdemokratie Schweiz wäre imstande, ein vorbildliches Formel-1-Rennen zu organisieren – «mit Bahnanschluss für die Besucher».

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