Der 10. Januar war ein schwarzer Tag für die Schweizer Musikszene. Am selben Tag wie Claude Nobs starb auch der Schweizer Jazzmusiker George Gruntz im Alter von 80 Jahren. Wie sein Sohn Felix Gruntz dem «Sonntag» mitteilte, schlief George Gruntz am Donnerstagmorgen um 11 Uhr bei sich zu Hause in Allschwil im Beisein seiner Familie und seiner Frau Lilly sanft ein.

Der Pianist, Bandleader, Arrangeur und Komponist war ein Jazzmusiker von Weltruf, der «berühmteste Schweizer Jazzmusiker» (Claude Nobs) und der wichtigste Botschafter des Schweizer Jazz. Ein Innovator, der den europäischen Jazz in den letzten 50 Jahren massgeblich mitprägte. Ein unermüdlicher Schaffer und Brückenbauer zwischen den Stilen, der als Bandleader in den verschiedensten Projekten vor allem die Grenzen des Big-Band-Jazz ausweitete.

Gruntz war von der Musik besessen und hat bis zuletzt arrangiert und komponiert. Dabei schonte er sich nicht. Er konnte nicht anders. «Ich kann nicht aufhören, den Jazz zu leben», sagte er. Im vergangenen Jahr, mit den Feierlichkeiten und Auftritten zu seinem 80. Geburtstag, konnte Gruntz sich noch die letzten Wünsche erfüllen. Zuerst das Programm «Dig My Trane», eine Hommage an John Coltrane, das Gruntz für die Big Band des Norddeutschen Rundfunks schuf. Dann folgte das Geburtstagskonzert im Juli am Jazzfestival Montreux mit einem speziell zusammengestellten Sextett mit Dave Liebman. Gruntz litt an einer Muskelschwäche in den Beinen, die seine Mobilität stark einschränkte. «Kopf, Finger und Ohren funktionieren noch», sagte er damals gegenüber der «Nordwestschweiz», «nur die Beine wollen nicht mehr so recht.»

Ein besonderes Konzert durfte Gruntz schliesslich im August an einem Konzert in Baden erleben. Zum ersten und letzten Mal trat er dort mit seinem Gross-Cousin, dem talentierten Sänger James Gruntz, auf. Der Zustand des Jubilars hatte sich inzwischen nochmals verschlechtert und er musste mit dem Rollstuhl auf die Bühne geführt werden. Baden war sein letzter öffentlicher Auftritt.

Doch George Gruntz rappelte sich noch einmal auf und erfüllte sich im November seinen allerletzten Wunsch. Mit seiner Concert Jazz Band, besetzt mit hochkarätigen internationalen Jazzmusikern, nahm er am 28. und 29. November in den berühmten Avatar-Studios in New York sein letztes Album auf. «Mein Vater kämpfte und hat in New York nochmals unheimliche Kräfte mobilisiert», sagt Felix Gruntz, der ihn in den letzten Monaten immer begleitete. Schon nach anderthalb Tagen waren die sechs Nummern für das grosse Jazz-Orchester «im Kasten».

George Gruntz konzentrierte sich in New York sitzend auf das Dirigieren seiner Band. Seine Piano-Passagen sollten erst danach aufgenommen werden. Doch er kam nicht mehr dazu. Denn schon bald nach der Heimkehr nach Basel erlitt er einen Rückfall und musste ins Spital eingeliefert werden. Am 31. Dezember konnte er nochmals nach Hause, wo er seine letzten Tage zusammen mit seinen Liebsten verbringen konnte.

Das in New York aufgenommene Album mit den Titel «News Reel Matters» wird in den nächsten Monaten fertiggestellt. Die Klavierparts von George Gruntz soll sein Lieblingspianist Vladyslav Sendecki übernehmen. Wahrscheinlich im April dieses Jahres soll das Album erscheinen. Es ist das Vermächtnis eines ganz Grossen.

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