VON FLORENCE VUICHARD UND CHRISTOF MOSER

Der Nestlé-Vergleich von Claude Béglé hat alle aufgeschreckt: Politiker aller Parteien fragen sich, was der Post-Präsident vorhat. Erste Antworten liefert die «Wachstumsstrategie SPS», die Béglé am 23. November 2009 dem Verwaltungsrat vorgestellt hat und die dem «Sonntag» vorliegt. Das von der internationalen Beratungsfirma Roland Berger erarbeitete Konzept schlägt vor, bis 2020 aus der jungen und heute defizitären Abteilung Swiss Post Solutions (SPS) eine tragende Konzernstütze mit einem Umsatz von 2,7 Milliarden und einem Betriebsgewinn von 100 Millionen Franken zu machen. Der Verwaltungsrat hat das Papier «zur Kenntnis» genommen.

Die Berater zeichnen drei Wege auf: Das erste Szenario «Fokus Europa» entspricht einem forcierten Ausbau des Status quo – ergänzt durch den Kauf ausgewählter, kleinerer und mittlerer Unternehmen. Das zweite Szenario «Fokus Global» enthält zudem den «Markteintritt in neue Länder mit hohem Marktpotenzial». Der Markteinstieg soll jeweils durch den Kauf eines grossen, regionalen Unternehmens erleichtert werden. Insbesondere der asiatische Raum mit seinen hohen Wachstumszahlen wird im Papier immer wieder als zukunftsträchtig hervorgehoben.

Das dritte Szenario wird «Big Bang» genannt. Hier soll die SPS dank einer Übernahme eines grossen, internationalen Unternehmens mit ähnlichem Angebot oder eines IT-Konzerns auf einen Schlag die nötige Grösse erhalten.

Alle drei Wege kosten Geld. Im Roland-Berger-Papier ist die Rede von einer «Wachstumslücke von 1,3 Milliarden Franken». Das ist die Differenz zwischen der prognostizierten Grösse, welche die SPS durch organisches Wachstum erreichen kann, und dem Umsatzziel von 2,7 Milliarden. Die Lücke, so der Verdacht, muss über Akquisitionen gefüllt werden.

Doch ein «Big Bang», das passt nur allzu schlecht zu einem Staatsbetrieb, bei dem letztlich die Steuerzahler haften. Das weiss auch Claude Béglé, weshalb er postintern klarstellt, beim Roland-Berger-Plan handle es sich nur um Ideen. Bis heute sei einzig eine Stossrichtung festgelegt worden: Demnach soll SPS für die Post zur Wachstumsquelle werden – mit welchen Produkten und in welchen Ländern sei noch offen. Bis im Juni will der Post-Verwaltungsrat nun die konkrete Auslandstrategie ausarbeiten. Gegenüber dem «Sonntag» wollte sich Béglé gestern nicht äussern.

Äussern will sich Béglé spätestens am 25. Januar bei der nationalrätlichen Fernmeldekommission (KVF). Die ständerätliche Schwesterkommission hingegen hat Béglé für ihre Sitzung von morgen Montag nicht vorgeladen: Sie will Antworten vom zuständigen Bundesrat Moritz Leuenberger, der wegen der Post-Wirren selbst in die Kritik gerät. Dabei war Béglé gar nicht Leuenbergers Kandidat fürs Post-Präsidium. Er hätte damals dem langjährigen Konzernchef Ulrich Gygi den Vorrang gegeben.

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