VON CLAUDIA MARINKA

Die folgenden Worte stammen von Gibril Muhammad Zwicker, einem Oberleutnant der Schweizer Armee: «Die Einsicht, welche Allah mir gegeben hatte (...), dass ich seine Worte (...) als die einzige und universelle Wahrheit anerkannte, führte zu einem Wechsel in meinem Weltbild und in meinem Wertesystem. Ich hatte mich dafür entschieden, ein Fremder zu werden.»

So sprach Gibril Muhammad Zwicker an einem Vereins-Symposium im Februar. Wer aber glaubt, Zwicker sei ein wirrer Fundamentalist, der irrt. Der 26-Jährige ist Oberleutnant der Schweizer Armee, und das ausgerechnet im Hauptquartier-Bataillon. Seine Wirkungsstätte: geheime Führungsanlagen der Schweizer Armee. «Ich leiste Führungsunterstützung und bin der Geheimhaltung unterstellt», sagt Zwicker, der mit einer Tunesierin verheiratet ist.

Der strenggläubige Konvertit kündigt an, dass er im Militär noch weiter aufsteigen möchte: «Ich will Hauptmann werden und habe mich als Anwärter angemeldet.» Zum Islam konvertierte er vor zwei Jahren. Der gelernte Maschinenbaukonstrukteur, der seine berufsbegleitende Matura als Jahrgangsbester abschloss, passte auch sein Äusseres seinem Glauben an: Zwicker erschien auf einmal mit Vollbart zum Militärdienst, betete fünfmal am Tag, ass kein Fleisch mehr und nahm nicht mehr an den Apéros in der Offiziersmesse teil. «Ich wurde darauf hingewiesen, dass aufgrund meiner Ideologie eventuell investigative Massnahmen gegen mich angestrebt werden könnten.»

Darum will er «als Vermittler zwischen dem Islamischen Zentralrat und der Armeespitze» arbeiten, was den Umgang mit muslimischen Angehörigen der Armee angeht. Zwicker hat dem Chef des Psychologisch-Pädagogischen Dienstes der Armee und dem Chef Armeeseelsorge geschrieben. Noch hat er keine Reaktion auf sein Angebot erhalten. Zumindest ein erstes Thema beschäftigt ihn schon: das von der Armee geplante Merkblatt für nicht christliche Armeeangehörige. Berücksichtigt werden darin Essenswünsche, aber auch, dass die fünf islamischen Pflichtgebete in einem Gebet zusammengefasst werden müssen. Zwicker: «Das geht so nicht. Man kann zwar zwei Gebete zusammennehmen, aber nicht alle.» Er beruft sich auf die verfassungsmässig garantierte Kultus-, Glaubens- und Gewissensfreiheit.

Was sagt die Armee zu seinem Kadermitglied Zwicker? Zur Person könne man aus Datenschutzgründen keine Auskunft geben, sagt VBS-Sprecher Christian Burri. Die Armee könne aber nicht reagieren, «nur weil eine Person einem Verein oder einer Partei angehört». Entscheidend seien Strafverfahren, rassistische oder rechtsextreme Äusserungen. Die Armee sei aufmerksam und kläre ab, wo bekannte Extremisten eingeteilt seien: «Im Militär gilt Nulltoleranz gegenüber Extremismus.»

Vor drei Jahren jedenfalls hatte der damalige Armeechef Christophe Keckeis persönlich gegen ein extremes Militärmitglied durchgegriffen: Er hatte die Entlassung des 20-jährigen Vorstandsmitglieds der Partei national orientierter Schweizer (Pnos) aus dem praktischen Dienst als Gruppenführer angeordnet. Dieser hatte in einem Artikel rassistische Aussagen gemacht. Es lief ein Strafverfahren gegen ihn.

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