Die Deutschschweizer Volksschulen erhalten ab 2014 einen gemeinsamen «Lehrplan 21». Heikler Punkt ist der Umgang mit den Religionen. Im Lehrplan 21 ist aktuell dazu vorgesehen: ein obligatorisches konfessionsneutrales Fach «Ethik, Religionen und Gemeinschaft». Zentrale Themen sind Menschenrechte, Moral, Toleranz und Merkmale der Weltreligionen.

Doch das stösst auf Widerstand. «Wir wehren uns gegen einen einheitlichen religionskundlichen Religionsunterricht in der Primarschule», sagt Peter Schmid von der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA). Die Allianz ist der Verband der evangelischen Christen und vertritt rund 560 landes- und freikirchliche Gemeinden.

hauptforderung im Positionspapier zum Lehrplan 21, das dem «Sonntag» vorliegt, ist: Die christliche Religion muss im schulischen Religionsunterricht klar Priorität haben. Die Vermittlung von Ethik und Religion soll viel enger mit dem Christentum verbunden sein. «Das sind die zentralen Werte unserer abendländischen Kultur», sagt Schmid. Zudem soll der Religionsunterricht nicht nur religionskundlich sein, sondern auch religiöse Inhalte vermitteln.

«Ein Religionsunterricht, in dem Jesus als Vorbild gelehrt wird, tut den Kindern gut», so Schmid. Zudem sollten Lehrer mit einer atheistischen Grundhaltung keinen Religionsunterricht geben, so die Freikirchen-Vertreter: «Nur Personen, die den christlichen Glauben wertschätzen können.» Denn Glaube dürfe den Kindern nicht objektivierend und relativierend vermittelt werden, da sonst die Gefahr, bestehe, dass die Kinder «innerlich verwahrlosen».

Weitere Forderung: Ein säkularer Staat überschreite seine Kompetenz, wenn er alle Religionen als gleichwertig darstellt. Deshalb soll ein solcher Unterricht unbedingt freiwillig sein. «Die Erziehungshoheit der Eltern hat mehr Gewicht als der Bildungsauftrag der Schule», so Schmid. Die Eltern müssten deshalb künftig die Möglichkeit haben, ihre Kinder «vor unerwünschter religiöser Beeinflussung» zu schützen.

Diesen Forderungen hält Kathrin Schmocker, Co-Projektleiterin Lehrplan 21, entgegen: «Das Ziel dieses Schulfaches ist es, dass man Kenntnisse über Religionen vermittelt – und nicht Glauben und religiöse Praktiken.» Deshalb bleibt der bisherige freiwillige Religionsunterricht auch mit dem Lehrplan 21 Sache der Kirche und Glaubensgemeinschaften in den Kantonen – im Gegensatz zum jetzt umstrittenen neuen Fach «Ethik und Religion».

Die Allianz-Vertreter wehren sich dagegen, dass ihre Forderungen nur für Mitglieder der Freikirchen gelten. «Auch viele Katholiken und Reformierte wünschen wieder eine stärkere christlichere Prägung in der Schule», sagt Schmid.

Bei den Landeskirchen reagiert man aber auf die Forderungen der Allianz zurückhaltend. Die Ausarbeitung des Lehrplanes werde genau beobachtet, aber es sei zu früh, um den Religionsunterricht zu beurteilen, heisst es bei der Bischofskonferenz.

Die Reformierten stehen hinter der Entwicklung: «Der freiwillige Religionsunterricht hat in der Schule einen schweren Stand. Dass ein obligatorisches Fach eingeführt wird, indem über Ethik, Religionen und Gemeinschaft diskutiert wird, begrüssen wir», sagt Simon Weber vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund.

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