Frauen werden häufiger im Ausgang Opfer von brutalen Schlägereien. Das zeigt eine neue Studie des Universitätsspitals Zürich. War 2005 noch jede 14. verletzte Person in der Notaufnahme weiblich, war es fünf Jahre später schon jede 9. «Dieser Trend setzt sich auch in den letzten beiden Jahren fort», sagt Max Scheyerer, Arzt für Unfallchirurgie am Unispital. Ingesamt behandelt die Notaufnahme in Zürich jährlich rund 300 Prügel-Opfer. Die Zahl ist seit ein paar Jahren konstant. Jedoch nimmt der Anteil an Frauen, die sich mit anderen Frauen geschlagen haben, stetig zu.

Geprügelt wird Am Wochenende, zeigt die Studie weiter. «Dann nimmt die Zahl der Patienten um den Faktor vier zu», sagt Scheyerer. Gründe für Schlägereien sind meist übermässiger Alkohol- und Drogenkonsum. Polizeimeldungen aus den Städten Zürich, Bern und Basel zeigen das gleiche Bild. Am häufigsten musste die Polizei zwischen Freitagabend und Sonntagmorgen in die Gegend von Bahnhöfen und Clublokalen ausrücken.

Die Clubbetreiber kennen die Problematik. «Vor 20 Jahren gab es eine bis zwei brutale Schlägereien pro Monat, heute haben wir in einzelnen Städten fast jedes Wochenende so viele», sagt Maurus Ebneter vom Verband Schweizerischer Konzertlokale und Diskotheken (Asco). Zudem stellt Ebneter fest, dass es häufig zu Auseinandersetzungen mit Messern kommt. Die Clubbetreiber reagieren: Einige haben bereits Metalldetektoren an den Eingängen zu ihren Lokalen aufgestellt.

Zugeschlagen wird mit Fäusten, dies zeigen die Uni-Zahlen weiter. 86 Prozent der Verletzungen sind auf Handgreiflichkeiten zurückzuführen. Dabei unterscheiden sich Männer und Frauen kaum. «Einzig bei Stichverletzungen, welche etwas mehr als 10 Prozent unserer Behandlungen aufgrund von Gewaltverbrechen ausmachen, sind die Opfer häufiger männlich», sagt Scheyerer und fügt an, dass er bei Messer-Verletzungen eine weiteres Phänomen ausmachen kann: «Nach meinem subjektiven Empfinden haben die Stichverletzungen in den letzten beiden Jahren zugenommen.»

Dies würde bestätigen, was die Kripo-Chefin des Kantons Zürich, Christiane Lentjes Meili, im April 2011 prophezeite: «Es scheint derzeit ein Trend zu sein, ein Messer mit in den Ausgang zu nehmen», sagte sie im «Tages-Anzeiger».

Verletzungen werden gravierender – das zeigt eine noch nicht veröffentlichte Studie des Inselspitals Bern. «Wir können eine signifikante Zunahme von Gesichts-, Kiefer- sowie Schädelverletzungen feststellen», sagt Christina Lindner vom Notfallzentrum des Inselspitals Bern. Die steigende Tendenz und das damit verbundene Aggressionsverhalten sei beunruhigend. Lindner untersuchte in den vergangenen zwölf Jahren 2100 Patienten mit Verletzungen nach Schlägereien.

Die Brutalität der Gewalt scheint sich auch auf die Bevölkerung zu übertragen. Vor allem Frauen wollen sich schützen. «Die Nachfrage nach Pfeffersprays ist gross», sagt Robert Bürchler vom gleichnamigen Zürcher Waffengeschäft. Und im «Der Messershop», einem Online-Waffengeschäft, hat sich die Zahl der verkauften Pfeffersprays in den letzten zwei Jahren verdoppelt: «Viele Eltern, die für ihre Töchter zum Schutz einen Spray kaufen, melden sich bei uns», sagt Geschäftsinhaber Frank Kollbrunner. «Und Frauen bevorzugen den Pfefferspray, der Farbe auf dem Gesicht des Angreifers hinterlässt.»

Auch Martina Amrein von der offenen Jugendarbeit (OJA) im Kreis 3 und 4 Zürich stellt fest, dass sich die jungen Frauen besser schützen möchten: «Immer mehr Mädchen besuchen einen Selbstverteidigungskurs.» Amrein rät ihnen, in Gruppen in den Ausgang zu gehen. So können sie sich besser schützen – auch vor Angriffen anderer Frauen.

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