VON NADJA PASTEGA UND CLAUDIA MARINKA

Ein Stein der Demonstranten verfehlte knapp ein kleines Mädchen, das am Samstagabend mit ihrer Mutter im Restaurant zu Gast war. Als der Stein durch die Fensterscheibe flog, konnten sich die beiden durch die Hintertür retten. «Die Mutter stand unter Schock», erzählt Lesvi Gatorno, Geschäftsführer vom «Hooters». Vergangenen Montag hat er Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht.

Der Stadtzürcher SVP-Fraktionschef Mauro Tuena und betroffene Gewerbler wollen nun Fotos der Chaoten und Aufnahmen von Überwachungskameras ins Internet stellen. Mit dem virtuellen Pranger soll der Druck auf die Justiz und Polizei erhöht werden, selber in diese Richtung aktiv zu werden. Tuena hat auch schon einen griffigen Namen für seine neue www-Waffe: Chaotenwanted.ch!

Gewerbler Oliver Fux von Fux AG ist begeistert: «Wenn eine solche Homepage initiiert werden sollte, wären wir sicher kooperativ und würden entsprechendes Bildmaterial zur Verfügung stellen», sagt er. «Wenn sich die Geschädigten zusammentun und die Bilder ins Netz stellen, werde ich mich an dieser Aktion beteiligen», sagt auch Juwelier Christian Celik und Frisörin Corinne Diggelmann gibt sich ebenfalls kämpferisch: «Natürlich bin ich dabei, es muss jetzt ein Zeichen gesetzt werden.»

Tuena will so Chaoten und Querulanten vor Arbeitgeber und Freunden blossstellen. «Ich werde anlässlich der nächsten Gemeinderatssitzung einen Vorstoss einreichen und fordere darin die Polizei auf, entsprechende Bilder und Aufnahmen zur Fahndung im Internet zu veröffentlichen», sagt Tuena. «Wenn Straftäter unter 18 Jahren darunter sind, sollen die Eltern den Schaden bezahlen. Zusätzlich sollen die Jugendlichen zu gemeinnützigen Arbeiten verdonnert werden», sagt Tuena.

Zurzeit schliesst die Stadtpolizei eine Internet-Fahndung noch aus. «Wir haben derzeit aufgrund der gesetzlichen Grundlagen keine Möglichkeit, die Bilder ins Netz zu stellen», sagt Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich, «es sei denn, die Staatsanwaltschaft beurteilt das anders.» Die Polizei-Gewerkschaft begrüsst jedenfalls die Idee. «Die Internet-Fahndung ist ein gutes und adäquates Mittel, um Straftätern ein Gesicht zu geben», sagt Präsident Heinz Buttauer.

Rückendeckung erhält SVP-Politiker Mauro Tuena auf Bundesebene: «Die Veröffentlichung von Täterfotos im Internet ist richtig und offenbar auch nötig. Es kann nicht länger geduldet werden, dass Randalierer Personen- und Sachschäden verursachen und nachher in der Menge verschwinden. Mir ist jedes Mittel recht, um solche Täter zur Verantwortung zu ziehen», sagt Jakob Büchler (CVP/SG), Präsident der nationalrätlichen Sicherheitskommission (SIK). Er fordert gar eine «spezielle Eingreiftruppe», welche in solch brenzligen Situationen sofort einschreiten könnte. Ebenso will er eine grössere verdeckte Ermittlung: «Sie ist nötig, um vorbeugen zu können.»

Büchler spricht sich zudem für Schnellgerichte wie bei Fussballspielen aus. So könnten Kriminelle bereits vor Ort härter angepackt werden. Ein härteres Vorgehen fordert auch Peter Malama (FDP/BS). «Die Polizei soll die Bilder veröffentlichen. Wenn Sachbeschädigungen und Übergriffe wie die letzte Woche in Zürich neuerdings über SMS, Facebook und Twitter organisiert werden, darf sich die Strafverfolgung bei der Aufklärung ebenso moderner Medien und Methoden bedienen», sagt er.

Hart ins Gericht geht auch Ursula Haller (BDP/BE): «Die Polizei soll die Täterfotos ins Netz stellen. Jeder potenzielle Täter muss wissen, dass er mit dieser Fahndung zur öffentlichen Persona non grata werden kann und keinen Anspruch mehr auf Persönlichkeits- und Datenschutz haben wird.» Und für einmal findet selbst die Linke klare Worte. Evi Allemann (SP/Bern) sagt: «Die Veröffentlichung von Täterfotos kann in der Tat bei der Ermittlung hilfreich sein.»

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