VON OTHMAR VON MATT

Der Schweizer Migrations-Chef Eduard Gnesa warnt im Interview mit dem «Sonntag» vor den Flüchtlingswellen aus Nordafrika. «Selbst Jugendliche mit guter Ausbildung finden keinen Job. Diese zieht es nach Westeuropa», sagt Gnesa. Dazu seien vor allem jene Länder von der Migration betroffen, die von korrupten Diktatoren regiert würden. Erst wenn sich diese Länder in funktionierende Demokratien entwickelt hätten, würden die gut ausgebildeten Leute ohne Jobs nicht mehr weiterwandern.

Angesichts dieser Situation sind für Gnesa die Befürchtungen Europas vor einer Flüchtlingswelle berechtigt. Europa und die Schweiz könnten «unmöglich wenig qualifizierte Arbeitskräfte aus aller Welt unbeschränkt aufnehmen. Die westliche Welt könne den «weniger entwickelten Staaten in Zukunft aber mehr Angebote im Bereich Ausbildung, Stagiaire und Bildung machen». Im Gegenzug müssten sich diese Staaten dazu bereit erklären, ihre eigenen Staatsangehörigen zurückzunehmen.

Gnesa setzt in Migrationsfragen auf internationale Kooperation. «Auch im nordafrikanischen Raum werden wir den Migrationsdialog intensivieren», so Gnesa, «darin legen beide Seiten ihre Probleme auf den Tisch. Später folgt eine Migrationspartnerschaft, die auch ein Rückübernahmeabkommen enthalten soll.»

Derweil dauerten die Demonstrationen in mehreren Staaten der arabischen Welt an. In Libyen gingen Tausende Regierungsgegner auf die Strasse und riefen immer wieder: «Nieder mit Gaddafi». Die Regierungstruppen lösten die Kundgebungen mit Waffengewalt auf. Die Zahl der getöteten Gegner von Machthaber Gaddafi dürfte auf rund hundert gestiegen sein.

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