Seit 13 Jahren jasste die Schweiz auch digital: Der Bluewin-Jass und der dazu gehörende Chat erfreuten sich grosser Beliebtheit. Neben Schieber und Differenzler klopften die Online-Jasser auch Sprüche. Zum Schluss blieb es aber nicht mehr bei «Gratuliere» und «Guet Jass!».

Die Jasser machten mit wüsten Entgleisungen von sich reden. Beschimpfungen, Hasstiraden und Bedrohungen nahmen zu: «Drecksau, heute Abend bis du dran» oder «Es ist besser, wenn du verreckst».

Regelmässige Jasser empörten sich, dass die Swisscom nichts unternehme. Diese reagierte zwar auf einzelne Beschwerden mit Sperrungen, was aber nicht ausreichte, um die anonymen Jasser in Schranken zu halten. Zum ersten Mal berichtete «20 Minuten» Ende März über den «Kleinkrieg».

Nun zog die Swisscom den Stecker. Den Jass-Chat gibt es in der neuen Version des Bluewin-Jass nicht mehr. Seit Anfang Mai kann im Internet eine Vorversion getestet werden.

Dabei hatte das Unternehmen versprochen, einen neuen Chat anzubieten, mit welchen sich der Missbrauch besser bekämpfen lasse. Nun hat die Swisscom das Problem der wütenden Chatter auf eine einfache Weise gelöst: Sie hat den Chat gleich ganz abgestellt. «Der neue Online-Jass bietet keine Chat-Funktion», bestätigt Sepp Huber vom Mediendienst. Bereits 7000 Nutzer haben sich für die neue Plattform angemeldet, die laut Huber fast durchwegs positive Rückmeldungen gegeben haben.

Den Chat scheint niemand zu vermissen. «Diese Änderung hat nur zu sehr wenigen Rückmeldungen geführt», sagt Huber. Man wolle auch in Zukunft auf eine Chat-Funktion verzichten.

Ein Augenschein an den virtuellen Jass-Tischen des Konkurrenzangebots «Samschtig-Jass» des Schweizer Fernsehens zeigt allerdings, dass Jasser die Möglichkeit zum Chat gerne nutzen. Hier werden pro Tag 35 000 Partien gespielt. Kommentare zum Spiel und zu Stichen gehören dazu. «Der Chat verursacht keine nennenswerten Probleme», sagt Mediensprecher Martin Reichlin. Die Community reguliere sich selbst. Wenn nötig, gehe man Beschwerden nach und erinnere Nutzer an die Netiquette.

Trotz der Stille wandert offenbar niemand vom Bluewin-Jass zum «Samschtig-Jass» ab. «Wir hatten in den letzten zwei Monaten keinen aussergewöhnlichen Anstieg von Neuregistrierungen», sagt Reichlin vom SF.

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