Es wird in grossen Dimensionen gedacht an der Internationalen Funkausstellung (Ifa) in Berlin. Die Ausstellungsfläche ist im Vergleich zum Vorjahr noch einmal gewachsen, und auch die TV-Geräte der Hersteller haben noch einmal um ein paar Zentimeter zugelegt. Sie stehen dieses Jahr auf der weltgrössten Messe für Heimelektronik im Zentrum des Interesses. Mit diesen Prestige-Objekten versuchen sich die Hersteller gegenseitig zu übertrumpfen.

Der grösste LED-Fernseher kommt von Sharp und weist eine Bildschirmdiagonale von 90 Zoll auf. Das sind knapp 230 Zentimeter. In ein durchschnittliches Wohnzimmer passt dieses gigantische Möbel nicht mehr hinein. Doch die Grösse ist nicht alles. Auch auf die Schärfe kommt es an. Und hier bahnt sich ein neuer Trend an. Kaum haben wir uns an HD-TV gewöhnt, wollen uns die Hersteller auch schon eine noch höhere Auflösung schmackhaft machen. An diversen Ständen sind sogenannte 4-K-Fernseher zu sehen. Das sind Geräte, die eine vierfache Full-HD-Auflösung darstellen können, was 3840x2160 Bildpunkten entspricht.

Das klingt aufregend. Doch der Unterschied fällt nicht sofort ins Auge. Man muss schon sehr genau hinschauen, um zu erkennen, dass das Bild hier dank mehr Details noch etwas realistischer wirkt. Ein richtiger Sprung wie damals von der herkömmlichen Auflösung zum HD-Fernsehen ist das aber nicht. Dass sich 4K wohl nicht so schnell durchsetzen wird, dafür gibt es noch andere Gründe: Einerseits ist die Technologie noch sehr teuer, anderseits gibt es noch kaum Inhalte, die diese Auflösung unterstützen würden.

Doch 4K ist nicht die einzige Technologie, auf welche die Hersteller setzen, um das Bildschirmerlebnis aufregender zu machen. Hoch im Kurs stehen sogenannte OLED-TVs. Es sind dies Fernseher, für deren Displays organische Leuchtdioden verwendet werden. Diese selbstleuchtenden Dioden ermöglichen einen Bildaufbau ohne Hintergrundbeleuchtung, was für kräftigere Farben und tiefere Schwarztöne sorgt. Die Bilder wirken dadurch natürlicher. Ausserdem können die Bildschirme viel dünner produziert werden. Nur vier Millimeter dick waren die 55-Zoll-Geräte, die Samsung, LG und Toshiba präsentiert haben – das ist halb so dick wie ein iPhone. Ein Negativpunkt ist allerdings der hohe Preis: Wer zu den Ersten gehören möchte, der einen OLED-Fernseher besitzt, wird dafür rund 10 000 Franken hinblättern müssen.

Selbstverständlich verfügen die auf der Messe gezeigten Fernseher auch über 3-D-Funktionen. Bei Toshiba war sogar ein 3-D-Fernseher zu sehen, für den man keine Brille mehr braucht. Der 3-D-Effekt ist hier allerdings nicht so deutlich zu sehen, wie bei den herkömmlichen 3-D-Fernsehern – ausserdem verschwimmt das Bild, wenn man den Kopf nicht in einer vorgebenen Position hält. Es ist fraglich, ob die Brille wirklich so schnell obsolet wird.

Doch mit Spezialbrille fernzusehen hat noch einen anderen Vorteil: Samsung zeigt, wie sich die Technik nutzen lässt, damit zwei Personen ein je unterschiedliches Programm auf demselben Bildschirm sehen können. Anstatt wie bei 3D dem Zuschauer ein je etwas versetztes Bild für das linke und das rechte Auge zu zeigen, werden hier jeweils zwei Bilder unterschiedlicher Fernsehprogramme oder Filme so hintereinandergestellt, dass der eine Zuschauer immer das Erste sieht und der andere das Zweite. Während etwa der Mann den Champions-League-Match schaut, kann sich die Frau «Desperate Housewives» anschauen, ohne dass die Grösse des Bildschirms halbiert werden müsste. Der Ton wird dabei über Kopfhörer an der Brille eingespielt. Zusammen fern schauen, aber nicht das Gleiche sehen – das wird bald schon Alltag sein.

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