VON OTHMAR VON MATT, CHRISTOF MOSER UND FLORENCE VUICHARD

«Sonntag»-Recherchen zeigen: SVP-Parlamentarier aller Couleur, vom ideologischen Flügel über Unternehmer bis hin zu gemässigten Ständeräten, werden ihre Stimme Bundesrats-Kandidat Christian Lüscher geben. Caspar Baader bestätigt die Tendenzen hin zum Rechtsfreisinnigen. «Dass wir die FDP unterstützen, ist eine ernsthafte Option», sagt der SVP-Fraktionschef. «Für mich ist dann klar: Die SVP wählt Herrn Lüscher.»

Damit kommt es am Mittwoch im Schlussgang mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zum Duell Didier Burkhalter (FDP) gegen Urs Schwaller (CVP), wie dies alle erwarten. Sondern zum Duell Christian Lüscher (FDP) gegen Schwaller. Weil ihn die SVP geschlossen unterstützt – und damit die FDP auf Lüscher-Kurs zwingen wird. Definitiv entscheidet die SVP-Fraktion am Dienstag.

Erhält Lüscher die 66 SVP-Stimmen, könnte er im 1. Wahlgang auf 80 Stimmen kommen und so deutlich vor Didier Burkhalter liegen, wie Baader sagt: «Wählt die SVP im 1. Wahlgang geschlossen Herrn Lüscher und erhält dieser von der FDP 14 Stimmen, ist er von Beginn an vorne.» Wegen dieser soliden SVP-Stimmenbasis werde die FDP relativ schnell von Burkhalter auf Lüscher umschwenken müssen, betont Baader: «Die FDP muss das realisieren. Sonst muss sie den Sitzverlust selbst verantworten.»

Lüscher käme mit SVP (66) und FDP (47) auf 113 Stimmen. Bei SP, Grünen und BDP rechnen Insider mit 5 möglichen Stimmen für Lüscher. Damit kommt er auf ein Potenzial von 118 Stimmen. Ob das gegen Schwaller in der Endausmarchung reicht, ist allerdings sehr unsicher. Auch wenn die SVP von diversen Leerstimmen ausgeht.

Burkhalter darf nicht mit SVP-Stimmen rechnen, weil der FDP-Ständerat zu sehr Verwalter und zu wenig Politiker sei, bemängeln SVP-Politiker. Baader sagt: «Bei uns ist eine grosse Hemmschwelle vorhanden, Herrn Burkhalter zu unterstützen. Er ist sehr europafreundlich und eine treibende Kraft für die Auslandeinsätze des Militärs. Das geht für uns alles in die falsche Richtung.»

Der FDP selbst scheint die neue Entwicklung nicht ungelegen zu kommen. «Sonntag»-Recherchen zeigen, dass FDP-Chef Fulvio Pelli von Beginn weg strategisch auf Lüscher setzte. Bereits um Ostern, zwei Monate vor Couchepins Rücktrittsankündigung im Juni, fragte Pelli persönlich bei Lüscher an, ob er für den Bundesrat kandidieren wolle. Lüscher selbst sagt dazu: «Ich bin ein Aussenseiter. Das ist meine Rolle, und das ist sehr gut für mich.»

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Foto: Patrick LŸthy - remote.ch