Die Leitung des Vereins Tagesstrukturen Ennetbaden hat beschlossen, das Arbeitsverhältnis mit dem 19-jährigen mutmasslichen Vergewaltiger vorläufig nicht aufzulösen. Dies zeigen Recherchen des «Sonntags». «Wir stehen hinter ihm», sagt Daniela Hirzel, Präsidentin des Vereins Tagesstrukturen Ennetbaden, lediglich. Für ihren Kleinkinderzieher gelte die Unschuldsvermutung.

Der junge Mann wird beschuldigt, im vergangenen Dezember in einem Seiteneingang der Eventhalle Nordportal in Baden eine 28-jährige Frau vergewaltigt zu haben. Hirzel will sich nicht zu der jetzt getroffenen internen Regelung äussern. Sie deutet aber an, es herrsche unter den Eltern keine Unruhe. Der Kleinkinderzieher sei zurzeit nicht in der Tagesstätte tätig. Er wurde in die Ferien geschickt.

Ob er für die Dauer der Untersuchung und bis zur Klärung der Vorwürfe dispensiert ist, bleibt offen. Ein solches Vorgehen empfehlen Opferberatungsstellen. Regula Schwager von der Beratungsstelle Castagna hatte sich bereits erstaunt darüber gezeigt, dass er schon 48 Stunden nach dem Vorfall wieder auf freiem Fuss war. «Wenn ein Täter schnell wieder freikommt, deuten dies viele Opfer so, dass man sie nicht ernst nimmt», so Schwager.

Bei ihrem Entscheid stützt sich der Verein Tagesstrukturen auf eine Einschätzung des zuständigen Staatsanwalts Christoph Rüedi. Er hat keine Vorbehalte, was eine mögliche Gefährdung am Arbeitsplatz in der Tagesstätte angeht, wie er den Verantwortlichen zu verstehen gab. Dies lässt jedoch keinen Rückschluss auf den weiteren Verlauf der Untersuchung zu.

Rüedi wird Mitte Februar entscheiden, ob er das Verfahren zur Anklage bringt oder einstellt. «Im Zweifelsfall werde ich anklagen und die Beurteilung dem Gericht überlassen», sagt Rüedi.

Der Kleinkinderzieher gibt an, der Sex sei einvernehmlich gewesen. Im Rahmen der Untersuchung kam es auch zu einer Konfrontation zwischen angeblichem Täter und Opfer. Dabei hielt die Frau jedoch weiter an ihrer Darstellung fest.

Der 19-Jährige hat keine Vorstrafen wegen Sexualdelikten. Ob er dennoch polizeilich bekannt war, will Staatsanwalt Rüedi nicht sagen.

Merkwürdig bleibt, dass der angehende Kleinkinderzieher sein Phantombild in der Zeitung sah, sich aber trotzdem nicht bei der Polizei meldete. Das Phantombild hatte auch zu Hinweisen und zur Verhaftung an seinem Arbeitsplatz geführt. Er wurde unter der Auflage freigelassen, keine Zeugen oder das Opfer zu kontaktieren.

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