Wer in der Schweiz das Autofahren lernen möchte, geht normalerweise zum Fahrlehrer, übt gleichzeitig aber mit dem Vater, der Mutter oder dem Freund – Personen, die den Führerschein bereits besitzen. Doch diese Regelung ist dem Schweizer Fahrlehrer-Verband ein Dorn im Auge: «Wir schlagen eine Fahrschulpflicht für angehende Lenker für die ersten 16 Fahrstunden vor», sagt dessen Präsident Raphael D. Huguenin. «Erst danach soll das Üben mit Laien, also zum Beispiel mit einem Elternteil, erlaubt sein.»

Diese Idee äussert der Verband im Rahmen des aktuellen Projekts Opera-3 vom Bundesamt für Strassen Astra. Opera-3 steht für die Optimierung der ersten Ausbildungsphase, also bis zur praktischen Prüfung. Die heute massgebenden Verordnungen sollen revidiert werden. Zudem fordert der Touring-Club Schweiz seit Längerem den Führerschein ab 16 Jahren. Mit inhaltlichen Vorentscheidungen sei 2011 nicht mehr zu rechnen, sagt ein Astra-Sprecher. Zudem sehe man bezüglich des begleiteten Fahrens durch Laien keinen Grund, etwas am heutigen Schweizer Modell zu ändern.

Trotzdem birgt die Forderung der Fahrlehrerschaft Zündstoff. Denn für Raphel D. Huguenin ist klar: «Heute müssen die Fahrlehrer sehr oft Dinge korrigieren, welche die angehenden Lenker durch das Fahren mit Laien falsch erlernt haben.» Insofern stelle dieses Modell ein Sicherheitsrisiko dar. Mit der Anpassung der Verordnung möchten die Fahrlehrer verhindern, dass Fehlinstruktionen vermittelt werden. Als Alternative wäre auch möglich, dass Laien zuerst eine gewisse Ausbildung mit Zertifizierung absolvieren müssten, um mit den Fahrschülern üben zu können, so Huguenin.

Der Vorschlag des Fahrlehrerverbands beruht auch auf den Regelungen im Ausland. «In Europa geht der Trend von der Laienausbildung in Richtung teilobligatorische Fahrschule, so wie dies unsere Schweizer Kollegen fordern», sagt Peter Glowalla, Vorsitzender des Fahrlehrer-Verbands Berlin. In Deutschland existiert seit 1986 ein komplettes Obligatorium für eine professionelle Ausbildung. Das Üben mit Laien ist nicht möglich. «Grundsätzlich braucht es bei uns mindestens 30 Fahrstunden, es können aber auch 55 sein», sagt Glowalla. Denn zu den Fahrten der Grundausbildung kommen zwölf Sonderfahrten auf Autobahnen, Überlandstrassen sowie bei Dunkelheit. «Im Durchschnitt kostet die Ausbildung 1700 Euro.»

Rolf Moning von der Beratungsstelle für Unfallverhütung ist gegen die 16 obligatorischen Fahrstunden. Er schlägt einen engeren Kontakt zwischen den Fahrlehrern, den Schülern und den Laienausbildnern vor, um mögliche Missverständnisse zu verhindern. Auch Andreas Widmer, Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Verkehrspsychologie, ist skeptisch. Der Eindruck könne entstehen, dass die Fahrlehrer nur mehr Geld wollten. Aber: «Falls der Fahrlehrerverband garantieren kann, dass die Schüler dadurch bessere Autofahrer sein werden, finde ich die Idee begrüssenswert.»

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