Seit zwei Jahren zurück aus dem selbst gewählten Exil in den USA, ist Meili erst kürzlich von Sirnach TG in den Kanton St.Gallen gezogen. Das zeigen Recherchen des «Sonntags». Den Umzug will Meili als Zeichen verstanden haben – gegen den Kanton Thurgau. Erstmals spricht er über die Motive. «Es war dort fürchterlich», sagt Meili. «Mir wurden nur Steine in den Weg gelegt.» Seinen Unmut geweckt hat ein Schreiben des Sozialamtes Sirnach mit der Überschrift «Einladung und Aufforderung zur Rückerstattung von Sozialhilfeleistungen». Meili ist ausser sich: «Ich soll 20000 Franken zurückzahlen, obwohl ich einem Beschäftigungsprogramm als Hilfsarbeiter geradezu an die Privatwirtschaft verschachert wurde.» Für das Programm zuständig war das Zentrum Ranunkel in Aadorf. Es setzte Meili unter anderem im Gartenbau ein.

2000 Franken erhielt Meili dafür jeweils während zehn Monaten. Der Vorarbeiter des Gartenbaubetriebs habe ihm jedoch erzählt, dass seine Firma pro Tag und Mann normalerweise 200 Franken bezahle. «Das ist das Doppelte von dem, was ich bekam. Ich bin nur ausgenutzt worden», wettert der Ex-Nachtwächter der damaligen Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG). Dass er historisches Aktenmaterial vor dem SBG-Shredder an der Zürcher Bahnhofstrasse rettete, machte ihn 1997 zunächst zum Helden und dann zum Verräter: Durch eine Sammelklage des US-Anwalts Ed Fagan mussten die Schweizer Banken 1,25 Milliarden Dollar zahlen – zur Entschädigung von Nazi-Opfern.

Heute sieht sich Meili selbst als Opfer. «Ich werde diese 20000 Franken Sozialhilfe nicht zurückzahlen und habe gegen die Aufforderung einen Rekurs eingereicht», sagt er. Dabei besteht eine gesetzliche Rückerstattungspflicht. Konkret: Hat sich die Lage des Sozialhilfeempfängers verbessert, muss er die bezogenen Unterstützungsleistungen zurückzahlen. Das trifft bei Meili zu. Er arbeitet seit Juni als Storenmonteur mit einem befristeten Vertrag bis Ende Oktober. «Ja, ich verdiene besser, aber es ist ein harter Job», sagt Meili: «Ich bin 12 Stunden am Tag am Storenmontieren.»

Die Leiterin des Sozialamts Sirnach, Jeannine Leuenberger, will sich nicht zum konkreten Fall äussern, hält aber fest, «dass es grundsätzlich unser Bestreben ist, im gegenseitigen Einvernehmen eine Lösung für die Rückzahlung zu finden». So würden in der Regel kleine Raten ausgemacht. Meilis Rekurs ist in der Thurgauer Gemeinde denn auch ein Einzelfall.

Ab Herbst wird sich Meili nach dem Saisonjob als Storenmonteur eine neue Arbeit suchen müssen, um nicht wieder auf dem Sozialamt zu landen. «Das wird nicht einfach für mich», klagt der gelernte Radio- und TV-Verkäufer. Seine Vergangenheit stehe ihm oft im Weg.

Zu seinen drei Kindern im Teenageralter, die bei der Mutter in den USA leben, hat er kaum noch Kontakt. Dafür hat er sein privates Glück gefunden: «Ich habe eine neue Freundin.» Sie stehe ihm auch im Streit mit den Behörden um die Rückzahlung der Sozialhilfe bei.

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