Dass in Lipperswil innert weniger Tage zwei Delfine starben, überrascht den Ex-Flipper-Trainer nicht. Der Freizeitpark, den er selbst ein halbes Dutzend Mal besucht hat, behandle die Meeressäuger wie Wegwerfgüter, so Ric O’Barry zum «Sonntag».

Erstaunlich ist für ihn aber, dass es in der Schweiz noch immer ein Delfinarium gibt. «Ihr Schweizer seid sehr gebildet», sagt er auf Anfrage. Da müsste doch jedem klar sein, dass die Tiere in solchen Einrichtungen gequält werden. Er ruft deshalb zum Boykott gegen das Connyland auf. Wenn die Besucher fern blieben, gäbe es bald keine Delfin-Shows mehr. Tiere wie Zirkusclowns auftreten zu lassen, sei «not very swiss».

Dass ein militanter Tierschützer die Delfine getötet haben könnte, glaubt der 71-jährige Amerikaner nicht. «Das ist Unsinn», sagt er. Mit solchen Mutmassungen solle nur von den wahren Problemen abgelenkt werden. Er bezichtigt Delfinhalter rund um den Globus als Lügner, denn allen sei klar, dass man die Tiere nicht artgerecht halten könne. Er wisse, wovon er spreche: «Ich war damals selbst ein professioneller Lügner.»

Auch Graziella Blatter-Bianca glaubt nicht, dass ein Tierschützer die Delfine vergiftet hat. Die Ex-Frau von Fifa-Präsident Sepp Blatter arbeitete von 2000 bis 2001 als Delfin-Betreuerin im Connyland. «Es gab zahlreiche Vorfälle, die schon damals hätten untersucht werden müssen», sagt sie heute. Mitarbeiter hätten sich damals aus Jux ins Wasser geworfen. Das ist gefährlich, weil schmutzige Kleidung und Schuhe das Bassin kontaminieren können. «Das war sicher keine böse Absicht, aber es zeigt eine gewisse Fahrlässigkeit.» Intern hat Blatter-Bianca damals auf die Missstände hingewiesen – doch das hat nicht allen Mitarbeitern gefallen. So fand sie eines Tages einen Galgen in der Halle des Delfinbeckens baumeln. «Der sollte mir signalisieren: Verschwinde.»

Diese Vorfälle zwangen Blatter-Bianca schliesslich, den Job aufzugeben. Lange schwieg sie in der Öffentlichkeit. Sie war hin und her gerissen zwischen der Loyalität zur Familie Gasser und ihrer Liebe zu den Delfinen. Doch nach den jüngsten Ereignissen könne sie einfach nicht mehr schweigen. «Acht tote Delfine in knapp dreieinhalb Jahren sind schon enorm viele.» Das Connyland will sich bis zum Abschluss der Untersuchungen nicht mehr äussern.

Zusammen mit der Tierschutzorganisation OceanCare weilte Blatter-Bianca am Donnerstag in Bern, um deren Petition zu unterstützen. Diese fordert ein Verbot von Delfin-Importen. 77 776 Personen haben unterzeichnet. Zudem soll der Bau neuer Delfinarien verboten werden. Das Gesuch verleiht zusätzlich einer Motion mit ähnlichen Forderungen von Nationalrätin Brigitta Gadient (BDP/GR) Nachdruck.

Ex-Flipper-Trainer Ric O’Barry fordert nun die Regierung auf, zu handeln. Mit dieser Petition habe sich das Schweizervolk klar gegen die Delfinhaltung ausgesprochen. Nun müssten Taten folgen. Das ist Ric O’Barry auch persönlich wichtig, denn noch immer plagen ihn Gewissensbisse. Erst die TV-Show «Flipper» habe den Weg für solche Delfinarien wie im Connyland geebnet. Auch deshalb kämpft er seit mehr als 40 Jahren dagegen an.

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