Gleich vier Zeitungen forderten Eveline Widmer-Schlumpf diese Woche auf, nicht mehr zu kandidieren: «NZZ», «Berner Zeitung», «Bund» und «Tages-Anzeiger». Die dadurch entstandenen Spekulationen beendet nun der Präsident von Widmer-Schlumpfs BDP, Hans Grunder: «Am Samstagnachmittag hat sie mir grünes Licht gegeben, sodass ich jetzt sagen kann: Sie kandidiert wieder.»

Am Dienstag habe sich die Geschäftsleitung der BDP zu einem «langen und intensiven Gespräch» mit ihrer Bundesrätin getroffen, so Grunder im Interview. «Ich habe ihr mitgeteilt, dass die Partei es klar begrüssen würde, wenn sie sich der Wiederwahl stellt und dies auch der Erwartung entspricht ihrer vielen Fans, die sie in der Bevölkerung hat.» Widmer-Schlumpf habe sich den Entscheid aber «schwerer gemacht, als wir das erwartet haben».

Die Frage der Wiederwahl habe sie in den letzten vier Jahren ausgeblendet, sagt Grunder. «Und sie wollte zuerst wissen, wie wir das von der Partei her beurteilen. Es wäre vermessen, ihre Wiederwahl für einen Spaziergang zu halten.» Zu den Rücktritts-Forderungen meint Grunder: «Eveline Widmer-Schlumpf hat einen Rücktritt im Interesse des Landes ganz klar auch in Erwägung gezogen, das gehört zu ihrer Art, Situationen ohne Tabus zu analysieren.»

Mit den Wahlen vom letzten Sonntag hat sich die Situation für Widmer-Schlumpf deutlich verbessert. Vor allem die Schlappe der Grünen hat ihre Wiederwahlchancen entscheidend erhöht. Nach einem Wahlerfolg hätten die Grünen selbst einen Bundesratskandidaten ins Rennen geschickt – und damit die Bundesratswahlen unberechenbar gemacht. «Dieses Problem ist jetzt vom Tisch», sagt Grunder. «Sonntag»-Recherchen zeigen, dass auch SP-Strategen erleichtert sind: Den Grünen bleibe nichts anderes übrig, als sich wieder in die Widmer-Schlumpf-Allianz einzuordnen.

Die neue Zusammensetzung habe bei der Lagebeurteilung natürlich eine Rolle gespielt, gesteht Grunder. «Im Vordergrund stand aber die Frage, was im Interesse des Landes und der Partei richtig ist.» Und da sei die Geschäftsleitung gemeinsam mit Widmer-Schlumpf zum Schluss gekommen, «dass ihre Kandidatur dem Land Stabilität bringt, die jetzt nötig ist».

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