VON OTHMAR VON MATT, MARKUS BRÜTSCH UND CHRISTOF MOSER

Gemäss Recherchen des «Sonntags» laufen in der Schweiz zwei Ermittlungsverfahren wegen Betrugs bei Fussballwetten. Das bestätigt die Bundesanwaltschaft indirekt. «In Zusammenhang mit Sportwetten auf manipulierte Fussballspiele vollzieht die Bundesanwaltschaft ein Rechtshilfeersuchen der Staatsanwaltschaft Bochum», schreibt sie in einer Stellungnahme. «In gleichem Sachzusammenhang führt die Bundesanwaltschaft seit 12. November 2009 ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren.»

Das gerichtspolizeiliche Ermittlungsverfahren könnte Tessiner Vereine der Challenge League betreffen. Dies zumindest lassen Aussagen von FC-Sion-Präsident Christian Constantin vermuten, die er gegenüber dem «Sonntag» macht. «Ich hörte vor drei, vier Monaten aus Uefa-Kreisen, dass Tessiner Klubs der Challenge League und auch gewisse Schiedsrichter in eine Untersuchung verwickelt seien», sagt Constantin. «Ich habe dann vor einem Monat an der Präsidentenkonferenz die Präsidenten der Super League über diese Sache informiert.» Er wisse aber nicht, betont Constantin, welchen Zeitraum dies betreffe und welche Tessiner Vereine involviert seien.

Ein hoher Verbandsfunktionär bestätigt dem «Sonntag», auch er habe vor drei Monaten aus Uefa-Kreisen gehört, Tessiner Vereine der Challenge League seien in Untersuchungen verwickelt. Dieser Fall betreffe aber nicht den Wettskandal, den die Staatsanwaltschaft Bochum am Donnerstag habe platzen lassen. Das hätten seine persönlichen Nachfragen ergeben, hält der Verbandsfunktionär fest.

Zusammen mit der Erklärung der Bundesanwaltschaft deuten die Aussagen Constantins und des Funktionärs auf ein zweites Verfahren hin, das getrennt läuft.

Völlig überrascht und konsterniert reagierten gestern die Vertreter der drei Tessiner Klubs, die involviert sein könnten. «So etwas höre ich zum allerersten Mal», sagt Marco Degennaro, Generaldirektor der AC Bellinzona. Er könne sich das absolut nicht vorstellen. Luido Bernasconi, der Präsident des FC Lugano, betont: «So etwas schliesse ich absolut aus, mit dem Wissen, das ich habe.» Und Stefano Gilardi, Präsident des FC Locarno, hält fest: «Das kann ich auf unserer Seite absolut ausschliessen.»

Er und seine Vorstandskollegen hätten sich telefonisch über die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum unterhalten. «Und wir fanden keinerlei Spur und keinerlei Verdacht in den Spielen, die wir bestritten hatten.» Vielleicht seien er und seine Kollegen «zu naiv» gewesen. «Aber ich habe überhaupt keine Ahnung, um was es geht.»

Öffentlich bekannt ist bisher nur das Verfahren, das die Staatsanwaltschaft Bochum ausgelöst hat. 28 Spiele in der Schweiz stehen unter Manipulationsverdacht. Laut der deutschen Boulevardzeitung «Bild» handelt es sich unter anderem um die Challenge-League-Spiele Yverdon – Thun (5:1) und Gossau – Genf (0:4), sowie zwei Freundschaftsspiele mit dem bosnischen Verein Travnik (gegen Sion und Neuchâtel Xamax). NK Travnik war in diesem Sommer im Trainingslager und absolvierte da mehrere Testspiele gegen Schweizer Vereine.

Gemäss Recherchen des «Sonntags» fielen einem Beobachter der Freundschaftsspiele des FC Sion (4:1, 1. Juli) und von Xamax Neuenburg (3:2, 4. Juli) gegen NK Travnik aus Bosnien-Herzegowina Ungereimtheiten auf. «Am Anfang und am Schluss spielten die Bosnier auffallend schlecht, dazwischen aber ganz passabel», sagt der in der Schweiz tätige «Spotter». Spotter sind Beobachter, die Fussballspiele für Wettbüros beobachten. Der Spotter hatte den Eindruck, die bosnischen Gäste trieben ein seltsames Spiel.

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