Die Wirtschaftslage in den USA wird sich nach Ansicht der Notenbank in den kommenden Monaten verbessern. Fed-Chef Ben Bernanke äusserte diesen Optimismus am Mittwoch ungeachtet der negativen Prognosen für das Gesamtjahr 2009. Demnach wird die Wirtschaftsleistung um 1,3 bis 2,0 Prozent sinken. Zuvor war von einem Rückgang um 0,5 bis 1,3 Prozent die Rede gewesen. Die voraussichtliche Arbeitslosenquote wurde jetzt mit fast 10,0 Prozent angegeben, zuvor lag sie nur bei 8,8 Prozent.

Dennoch erklärte die Notenbank am Mittwoch, in der zweiten Jahreshälfte würden Produktions- und Verkaufszahlen wieder anziehen. Dann würden nämlich das Konjunkturpaket von US-Präsident Barack Obama sowie die Massnahmen der Fed zur Wiederbelebung der Wirtschaft greifen. Schon im laufenden Quartal scheine sich die Rezession zu verlangsamen.

Die Arbeitslosigkeit werde voraussichtlich aber «einige Zeit» hoch bleiben, sagte Obama am Mittwoch während der ersten Sitzung eines von ihm geschaffenen und von Ex-Notenbankchef Paul Volcker geleiteten Beratergremiums, das Ideen für Wege aus der Krise entwerfen soll. «Wir erwarten, dass es zu einer gewisse Stabilisierung der Wirtschaft kommt», so der Präsident. «Der Konjunkturmotor wird wieder laufen», unterstrich Obama, ohne allerdings einen Zeitrahmen zu nennen.

Das krisengeschüttelte US-Finanzsystem ist nach Ansicht von Finanzminister Timothy Geithner allmählich auf dem Weg der Erholung. «Es gibt wichtige Anzeichen dafür, dass unser Finanzsystem zu gesunden beginnt», erläuterte Geithner am Mittwoch vor dem Bankenausschuss des Senats. Als Belege führte er gefallene Risikoaufschläge etwa für Unternehmens- und Kommunalanleihen an. Dank der Kreditprogramme der Notenbank kämen auch wieder Neuemissionen auf den Markt.

Geithner nannte diese positiven Anzeichen «ermutigend», das «Ausbluten» der Wirtschaft habe sich verglichen mit dem Höhepunkt der Turbulenzen deutlich verlangsamt. Ein schnelles Ende der Krise erwarte er allerdings nicht.

«Der Erholungsprozess und die Reparatur des Finanzsystems wird seine Zeit brauchen.» Es gebe weiterhin «erhebliche Risiken». Man sei noch am Anfang. Jedoch habe sich das Finanzsystem als Folge der Krise bereits «deutlich» verändert und angepasst. Geldinstitute finanzierten sich inzwischen konservativer, Schulden seien abgebaut worden und von den anfälligsten Teilen des Finanzwelt ausserhalb der Banken gehe nicht mehr dieselbe Gefahr aus wie einst, betonte der Minister.

Geihtner äusserte die Erwartung, dass die staatlichen Programme, die Banken von Ramschpapieren befreien sollen, Anfang Juli an den Start gehen sollen. Die US-Regierung will mit Unterstützung privater Investoren für bis zu eine Billion Dollar faule Kredite und Problempapiere aufkaufen.

Ziel ist, die Banken von diesen Vermögenswerten zu befreien, um den Kreditfluss und damit die Konjunktur wieder in Gang zu bringen. Im Zentrum steht ein privat-öffentliches Programm. Privatsektor und der Staat sollen demnach das Risiko gemeinsam schultern, sich aber auch mögliche Profite teilen.

Den Angaben des Finanzministers zufolge sind von den ursprünglich 700 Mrd. Dollar des Banken-Rettungsprogramms noch rund 124 Mrd. Dollar übrig. In dieser Summer seien 25 Mrd. Dollar enthalten, die die US-Regierung an Rückzahlungen von Finanzinstitutionen im Laufe des nächsten Jahre erwartet. (sda/mz)