Der Computer ist tot, es lebe der Tablet-Computer! So lässt sich – etwas überspitzt – zusammenfassen, was sich auf dem IT-Markt abzeichnet. Zum ersten Mal sollen dieses Jahr mehr Tablets verkauft werden als Notebooks. Das prognostiziert eine diese Woche veröffentlichte Studie des Marktforschungsinstituts NPD Display Search. Im nächsten Jahr sollen dem Absatz von weltweit 240 Millionen Tablets 207 Millionen Notebooks gegenüberstehen.

Letztes Jahr ging dasselbe Marktforschungsinstitut noch davon aus, dass die Tablets erst 2016 die Notebooks punkto Verkaufszahlen überholen werden. Es ist nicht das erste Mal, dass Marktforscher das Potenzial der Tablets unterschätzt haben.

Als Apple 2010 das iPad auf den Markt brachte, waren viele Analysten skeptisch. Kaum jemand schien auf einen solchen Tastatur-losen Flachcomputer gewartet zu haben. Doch Apple überzeugte die Kunden rasch von den Vorteilen – und das iPad verbreitete sich rasend schnell. Kein anderes technisches Gerät durchdrang unsere Gesellschaft so rasch wie das Tablet. Gerade einmal 18 Monate dauerte es, von der Markteinführung des iPads bis 10 Prozent aller Amerikaner ein Tablet hatten. Beim Smartphone ging es 8 Jahre, beim Telefon sogar 25 Jahre (vgl. Grafik).

Die rasche Verbreitung der Tablets ist einzigartig in der Technologie-Geschichte. Hält sie ähnlich stark an, wird es – neben dem Smartphone – für die Mehrheit der Menschen schon sehr bald der primäre Zugang zum Internet werden. Das dürfte nicht zuletzt die Zeitungsunternehmen freuen. Denn Tablet-Nutzer verwenden ihre Geräte ausserordentlich oft, um damit Nachrichten zu lesen. 54 Prozent tun dies täglich, wie aus einer anderen Studie von Display Search hervorgeht. Damit lesen Tablet-Nutzer auf ihren Geräten öfters «Zeitung» als sie sich auf Facebook tummeln (vgl. Grafik).

Und sie sind eher gewillt dafür Geld auszugeben, als für Artikel, die sie auf dem Computer lesen. Für Magazinartikel sind 44 Prozent der Amerikaner bereit zu bezahlen, für News immerhin noch 19 Prozent. Auch wird das Tablet gerne dazu verwendet, um lange Artikel zu lesen. 55 Prozent tun das gerne – auf dem Computer nur 20 Prozent derjenigen, die ein Tablet haben. Der Grund dafür ist offensichtlich: Das Tablet kann man so bequem wie ein Magazin in den Händen halten – darauf auf dem Sofa, im Bett oder unterwegs lesen.

Texte und Bilder lassen sich auf dem Display eines Tablets ebenso schön inszenieren wie auf den Seiten eines Hochglanzmagazins. Das jedoch wird noch viel zu selten gemacht, stattdessen übertragen die Zeitungen einfach ihre Printausgabe als E-Paper mit einer viel zu kleinen Schrift aufs Tablet, sodass man jede Seite durch Spreizen von Zeigefinger und Daumen erst einmal vergrössern muss.

Wie eine Tageszeitung adäquat für das Tablet aufbereitet wird, zeigen bisher vor allem die englischsprachigen Medien. Ein Genuss ist es, die «New York Times» auf dem iPad zu lesen. Mit dem Finger wischt man elegant durch die Ressorts und öffnet einzelne Artikel, die dann in einem zweispaltigen Layout nach Manier der Printausgabe dargestellt werden. In die Ausgabe sind Fotostrecken und Videos integriert. Und die App wird wie eine Website ständig aktualisiert.

Ähnlich lesefreundlich ist die «Financial Times». Dafür muss man nicht einmal eine Applikation im App Store herunterladen, sondern bloss die Website der Zeitung ansteuern. Dank dem neuen Internetstandard HTML5 lassen sich nämlich Funktionen, die früher nur in installierten Applikationen möglich waren, direkt im Browser umsetzen. Das hat den Vorteil, dass die App nicht für jedes Betriebssystem (iOS, Android, Windows 8) neu programmiert werden muss und dass für den Verkauf von Abos und Tagesausgaben keine 30-Prozent-Provision an Apple, Google oder Microsoft abgegeben werden muss.

Die Technologien sind da, um die Zeitung auf dem Tablet neu zu erfinden. Man tut gut daran, sie zu nutzen. Denn nicht nur das Papier verliert für Zeitungen allmählich an Relevanz, sondern auch die Bildschirme von Computern und Notebooks.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!