Am 30.Oktober veröffentlicht der Branchenverband Seilbahnen Schweiz die neuen Tarife für die Wintersaison. «Der Sonntag» hat das Resultat schon jetzt: Während in früheren Jahren jeweils mehr als 80 Prozent der Tageskarten teurer wurden, verzichtet in diesem Jahr mehr als die Hälfte der Gebiete auf eine Preiserhöhung.

«Die Situation mit dem starken Franken ist schwierig», begründet Andreas Keller, Sprecher von Seilbahnen Schweiz, die Zurückhaltung. «Der Preisdruck aus Europa ist grösser geworden.» Vor der Eurokrise sei die Schweiz bei den Top-Skigebieten wie Zermatt, Davos oder St.Moritz in einer ähnlichen Preisliga gelegen wie Österreich und das Südtirol. Nun wurden die Schweizer Gebiete für Gäste aus dem Euroland deutlich teurer. «Wir erwarten, dass es nochmals ein schwieriger Winter wird», sagt Keller.

Mehrere Bergbahnen senken deshalb in diesem Jahr sogar die Preise. Darunter sind die Skigebiete Engelberg-Brunni und Saas-Fee. «Wir merken den Preisdruck aus Europa stark», sagt Remo Andenmatten, Verkaufsleiter der Saas-Fee Bergbahnen. Nicht nur die Tageskarte, sondern auch der Wochenpass wird deshalb günstiger. Engelberg spüre die Folgen des starken Frankens ebenfalls, sagt Thomas Küng, Geschäftsführer der Luftseilbahn Engelberg-Brunni. Dies sei mit ein Grund für die Preissenkung. «Wir erhoffen uns davon mehr Gäste.»

Nur für Kinder günstiger wird hingegen Meiringen-Hasliberg. Das Skigebiet gelte schon jetzt als familienfreundlich, sagt Marketingchef Ueli Hug. Aber für Kinder sei es im Vergleich mit anderen Gebieten zu teuer gewesen. «Bei den Preisen haben wir festgestellt, dass wir noch besser werden können.» Zudem stemmt sich Meiringen-Hasliberg gegen den Trend, dass immer weniger Kinder und Jugendliche auf die Piste gehen. «Wir wollen dazu beitragen, dass Skifahren bei den Kindern wieder beliebter wird», sagt Hug.

Die Preise zu senken könne eine Negativspirale auslösen, warnt indessen Andreas Keller von Seilbahnen Schweiz. Preisreduktionen auf breiter Ebene könnten die Ertragslage eines Bahnunternehmens nachhaltig schwächen und dazu führen, dass die Mittel für notwendige Erneuerungsinvestitionen fehlen.

Trotz des grossen Preisdrucks erhöht darum in dieser Saison gut ein Drittel der Skigebiete die Tarife. Die Preisrunde fällt allerdings moderat aus. Bei der Mehrheit dieser Gebiete wird die Tageskarte um 1 oder 2 Franken teurer. Eine gewichtige Ausnahme ist das schweizerisch-österreichische Gebiet Samnaun-Ischgl. Dort verteuert sich der Zugang zu den Seilbahnen und Sesselliften für Erwachsene gleich um 10 Franken. Der Grund: Die Preise werden in Euro festgelegt und dann für Schweizer Kunden in Franken umgerechnet. In dieser Wintersaison nehmen die Verantwortlichen einen Umrechnungskurs von 1.25 zur Hand, vor einem Jahr rechneten sie noch mit dem 1:1-Kurs.

Nicht nur die schlechte Wirtschaftslage und der starke Franken belasten die Schweizer Wintersportorte. Sie leiden auch darunter, dass Skifahren nicht mehr so beliebt ist wie in früheren Jahren. Seit der Wintersaison 2008/09 sind die Tageseintritte rückläufig (siehe Grafik). Nun gibt die Branche Gegensteuer. Sie setzt dabei bei den Kindern und Jugendlichen an. Um sie wieder für den Schneesport zu begeistern, zahlen 14- bis 24-Jährige, die zu viert reisen, in acht Skigebieten nur noch den Preis für drei. Ausserdem erhalten Schulen ab dieser Wintersaison massiv vergünstigte Pakete für Schneesportlager.

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