Zwei Wochen nach den Wahlen und gut fünf Wochen vor den Bundesratswahlen kommt Bewegung in die CVP, die zu den Wahlverlierern gehört, obwohl die Mitte insgesamt zugelegt hat.

Besonders Tempo macht die Aargauer Kantonalpartei, die nach dem Verlust von zwei ihrer drei Nationalratssitze eine Flucht nach vorne plant. «Für mich ist eine Fusion von CVP und BDP zu einer vereinigten Mitte ernsthaft zu prüfen», sagt Franz Hollinger, Präsident der CVP Aargau.

Er kündigt gegenüber dem «Sonntag» an, Fusionspläne mit der BDP am 22. November an der CVP-Präsidentenkonferenz zur Sprache zu bringen. «Es ist gut möglich, dass ich den Antrag stellen werde, Fusionsgespräche mit der BDP aufzunehmen», so Hollinger.

Das ist Brisant. Immerhin ist die CVP des Kantons Aargau die Stammpartei von CVP-Bundesrätin Doris Leuthard. Mit dem Vorpreschen will Hollinger aber eine weitere Diskussion über die Zukunft des «C» im Parteinamen verhindern – obwohl auch er darin ein Problem für die Partei sieht: «Wählerbefragungen zeigen, dass wir ausgerechnet bei den jungen Familien, bei den Wählern bis 39, ein Problem haben.

Sie fragen sich: Was soll dieses C?» Statt sich aber einmal mehr in dieser Diskussion zu verlieren, fordert Hollinger einen radikalen Schritt nach vorne: «Für mich ist denkbar, die Mitte unter dem Label BDP zu vereinen. Damit würde sich auch die C-Diskussion erübrigen.»

Eine Zukunft ohne Fusion und unter dem Namen «CVP» ist für ihn kaum denkbar: «Wir haben programmatisch gearbeitet, uns ein Bein ausgerissen, um uns inhaltlich gut zu positionieren, und am Ende machen wir nicht einmal mehr doppelt so viele Stimmen wie die BDP, die weitgehend identische Inhalte vertritt. Darauf müssen wir reagieren.»

Ähnliche Töne schlägt CVP-Vizepräsidentin Ida Glanzmann an: «Ich hatte im Sommer das Gefühl, sehr viel für den Wahlkampf gearbeitet zu haben. Deshalb gibt mir das Resultat zu denken.» Auch sie ortet das Problem beim C im Parteinamen: «Wir konnten die Wähler nicht mobilisieren. Vor allem die Jungen nicht. Und die Alten sterben weg.

Wir müssen grundlegend über die Bücher.» Entscheidend werde sein, dass die CVP in Zukunft Junge mobilisieren können. Glanzmann: «Wir müssen auch darüber reden, wie es mit dem C weitergehen soll. Die vielen Jugendlichen, die mir im Wahlkampf geholfen haben, hatten kein Problem mit mir. Aber sehr wohl eines mit dem C.» Für Nationalrat Pirmin Bischof (SO) ist «eine vereinte Mitte ein positives Projekt, das wir jetzt angehen müssen». Er betont: «Von einer engen Zusammenarbeit bis hin zu einer Fusion ist für mich alles möglich.

Für Generalsekretär Tim Frey ist nach ersten Analysen klar, dass «das Kernproblem der CVP inzwischen isoliert» sei: «Es sind die bevölkerungsreichsten Kantone: Zürich, Bern, Aargau und Waadt. Dies müssen wir nun angehen.» Eine vertiefte Analyse gehe die Partei «mit Vollgas» an. Bis zur Delegiertenversammlung im Januar 2012 soll sie vorliegen.

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