VON PATRIK MÜLLER

«Wir spüren den jugenderhaltenden Einfluss von schwierigen Situationen», scherzte Kaspar Villiger an der Medienkonferenz vom vergangenen Donnerstag, an dem die UBS ihren «Transparenzbericht» vorlegte. Mit diesem hat die Grossbank nach eigener Auffassung ihr 50-Milliarden-Franken-Debakel und die illegalen Machenschaften in den USA aufgearbeitet.

Der lockere Spruch sagt mehr aus, als wohl beabsichtigt. Denn die Nothelfer der UBS, Kaspar Villiger und Oswald Grübel, bereiten sich für den Abgang vor: «Job done», Arbeit erledigt, sagen sie sich offenbar.

Der Zeitpunkt ist gut: Die Londoner «Financial Times» stimmte am Freitag auf einer ganzen Seite eine Lobeshymne auf das «Revival» der UBS an – andere Banken, so das Weltblatt, könnten davon lernen. Die Nachfolgeplanung ist nach «Sonntag»-Recherchen in vollem Gang. Villiger, der am 5. Februar 2011 seinen 70. Geburtstag feiern wird, bekennt freimütig: «Die Nachfolgefrage beschäftigt uns sehr.» In seinem Alter, ergänzt der ehemalige FDP-Bundesrat, könne auch jederzeit «gesundheitlich etwas passieren, was man natürlich nicht hofft». Für diesen Fall gebe es «selbstverständlich» ein Szenario, wer ihn dann ersetzen würde.

Gemäss Villiger ist auf oberster Ebene der Nominationsausschuss daran, Profile für die Nachfolge zu definieren. Dem Ausschuss gehören vier Verwaltungsräte an: Sally Bott, Bruno Gehrig, Helmut Panke und Wolfgang Mayrhuber. Villiger selber, der Ende 2009 noch den Vorsitz dieses Ausschusses innehatte, gehört ihm nun wohlweislich nicht mehr an – er kann ja nicht seinen eigenen Nachfolger suchen. Der Ausschuss hat bereits eine Matrix mit Anforderungsprofilen erstellt, mit dem Ziel, dass der Verwaltungsrat die richtige Mischung an Kompetenzen bekommt. «Heute fehlt zum Beispiel ein Lawyer», sagt Villiger.

Wann der Rücktritt geplant ist, will Villiger nicht sagen. Die Zeit sei noch nicht reif, darüber zu reden. Gemäss «Sonntag»-Informationen ist ein Abgang bereits auf die Generalversammlung im April 2011 hin möglich. Idealerweise geht Villiger nicht zusammen mit Oswald Grübel; das würde ein zu grosses Machtvakuum hinterlassen. Zudem ist Grübel drei Jahre jünger als Villiger und muss noch einige operative Massnahmen umsetzen, damit der Turnaround nachhaltig ist.

Das Verhältnis der beiden ist wenig herzlich, wie Insider berichten. Der CEO «herrscht über seinen Vorgesetzten Kaspar Villiger», urteilte im März die «NZZ am Sonntag». Er setze sich auch mal mit einer unverhohlenen Drohung gegen ihn durch, schrieb das Blatt.

Dass Oswald Grübel der starke Mann ist und seinen Präsidenten, für den die Bankenwelt neu ist, bisweilen überrollt, ist offensichtlich. Im Interview (siehe Kasten rechts) weist Villiger aber den Vorwurf zurück, Grübel vereinige zu viel Macht auf sich und werde zu wenig kontrolliert: «Er gibt wohl die Impulse, die Umsetzung aber erfolgt sehr breit und es gibt institutionalisierte Kontrollen.»

Der Ex-Finanzminister bezeichnete sich an der Medienkonferenz selbstironisch als «naiven Menschen vom Land, der in diese Bank gekommen ist». Ganz wohl scheint sich Villiger dort nie gefühlt zu haben, wo «jeder Satz börsenrelevant ist», wie er sagte.

Aber er kann sich zugute zu halten, die überlebenswichtige Trendwende bei der UBS mitgeprägt zu haben. Sein Abgang wird – anders als bei seinen Vorgängern Marcel Ospel und Peter Kurer – freiwillig und ehrenvoll sein.

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