VON SANDRO BROTZ

«Die wärmende Kraft der Elemente» nennt sich eines der schnell geschnittenen und mit poppiger Musik unterlegten PR-Videos. Zu finden ist es auf dem Internetportal T-Online. In dem Video versucht Jörg Kachelmann einen Spagat: Er erklärt, wie Föhn funktioniert – und was sein Sponsor damit zu tun hat. «Heute gehts ums Wetter, um Wärmepumpen und um Weishaupt», sagt Kachelmann zu Beginn des knapp siebenminütigen Videos.

Die Vermischung zwischen seinem Kerngeschäft Wetter und der Nennung von Sponsoren praktiziert keiner so geschickt wie Kachelmann. Es ist zu einem einträglichen Businessmodell geworden. Meteomedia mit Sitz in Gais AR erwirtschaftet mit rund 120 Angestellten einen Umsatz von 20 Millionen Franken. Wichtigste Abnehmerin für seine Wetterdaten ist die öffentlich-rechtliche ARD in Deutschland. Sie bringt geschätzte 70 Prozent des Umsatzes. Dazu liefert Meteomedia in der Schweiz die Daten für Radio Basel und Radio Sunshine.

Sein Internetportal meteocentrale.ch lässt sich Kachelmann von Weishaupt sponsern. Der «Sonntag» weiss aus zuverlässiger Quelle, dass es sich jährlich um einen Millionenbetrag handelt. Dafür prangt auf der Website das Logo des Energieunternehmens und der Star-Wetterfrosch stellt sich mit plumpen PR-Videos in die Dienste von Wärmepumpen. Weltweit gehören 20 Tochtergesellschaften zur Weishaupt-Gruppe mit Hauptsitz im deutschen Schwendi, darunter die Weishaupt AG in Geroldswil ZH. Schweiz-Chef Richard Osterwalder und Patron Siegfried Weishaupt hatten sich noch vor vier Jahren bei der Präsentation von meteocentrale.ch in Kachelmanns Licht gesonnt. 200 neue Messstationen konnten dank den Weishaupt-Millionen hochgezogen werden – zum «besten Schweizer Wetterdienst» (Eigenwerbung). «Thematisch passt der Auftritt unseres Unternehmens bestens ins Konzept des Wetterportals», liess sich Firmenchef Weishaupt in der lokalen Presse zitieren.

Das freundschaftliche Geschäftsklima hat sich deutlich abgekühlt: «Weishaupt wartet wie alle anderen auf das Ergebnis der Untersuchungen», lässt das Unternehmen gegenüber dem «Sonntag» verlauten. Kurzum: Ob die Millionen weiterhin fliessen, hängt davon ab, ob der Vergewaltigungs-Vorwurf ausgeräumt werden kann. Doch die Details werden täglich erschreckender. Laut «Focus Online» soll die 37-jährige Ex-Freundin des Wetter-Moderators zu Protokoll gegeben haben, Kachelmann sei ausgerastet, nachdem sie ihn wegen einer anderen Frau zur Rede gestellt habe. Er habe sie daraufhin mit einem Messer zum Geschlechtsverkehr gezwungen und ihr Schnittverletzungen am Hals zugefügt. Das sind Meldungen, die auch schlecht fürs Geschäft sind.

Für Kachelmanns ehemaligen Geschäftspartner Peter Wick, der 70 Prozent des privaten Wettermarktes in der Schweiz betreut, ist «der Schweizer Markt von Meteomedia gefährdet». Er sei mit seiner Firma Meteonews «gerne bereit – falls nötig – auszuhelfen». Thomas Bucheli, der neben dem Schweizer Fernsehen auch private Medien beliefert, will keinen Kommentar abgeben. Laut Branchenkennern wäre aber auch er wenig zurückhaltend, um im umkämpften Schweizer Wettermarkt neue Kunden an Land zu holen.

Der Geschäftsführer von Radio Basel, Christian Heeb, reagiert leicht indigniert darauf, ob er die Zusammenarbeit mit Meteomedia überprüfe: «Die Frage stellt sich nicht – Jörg ist ein Freund.» Der Redaktionsleiter von Radio Sunshine, Christian Albisser, versichert, Kachelmanns Verhaftung habe «keine Auswirkungen» auf die Geschäftsbeziehungen. Das hört der zum Krisenmanager mutierte Verwaltungsratspräsident von Meteomedia, Frank Werner, gerne: «Ich finde es unappetitlich, dass die Konkurrenz schon bereitsteht, bevor die Untersuchung abgeschlossen ist», sagt er dem «Sonntag». Gemäss seinen Angaben «müssen sich die Mitarbeiter von Meteomedia keine Sorgen machen». Doch auch sie wissen: Ihr bestes Aushängeschild sitzt auch heute Sonntag weiterhin in einer 13-Quadratmeter--Zelle.

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