Rund ein Viertel mehr Einbrüche verzeichnen verschiedene Versicherer in den ersten neun Monaten dieses Jahres in der gesamten Schweiz im Vergleich zur Vorjahresperiode. So hatte beispielsweise die Bâloise seit Januar 20 Prozent mehr Einbruchsfälle, vergleichbar ist die Zunahme bei der AXA Winterthur. Bei der Mobiliar sind es sogar 26 Prozent mehr Fälle. «Der deutliche Anstieg könnte auf organisierte Einbrecherbanden zurückzuführen sein», sagt Manuel Inderbitzin von der Mobiliar.

Das bestätigt Bernhard Graser von der Kantonspolizei Aargau: «Die grosse Mehrheit der Einbrüche geht derzeit auf das Konto sogenannter Kriminaltouristen.» Dabei gehen die in Banden organisierten Einbrecher gezielt vor: Sie kommen und verschwinden über die Autobahn.

Besonders betroffen: Wohnquartiere entlang der A1, A2 und der A3. «Die Kriminaltouristen wählen bewusst Dörfer und Städte, wo sie schnell wieder weg sind», sagt Graser. Es komme vor, dass die Banden ihr Auto auf einer Raststätte abstellen und von dort zu Fuss verschiedene Gemeinden entlang der Autobahn abklappern.

Gemäss Bundesamt für Statistik wurden 52 735 Einbrüche im Jahr 2011 verübt. Am häufigsten stiegen die Täter in Mehrfamilienhäuser ein, und zwar 19 410-mal. Einfamilienhäuser sind die zweitbeliebtesten Ziele (9075).

Aufklären konnten die Schweizer Kantonspolizeien gesamthaft aber nur 11,5 Prozent der Fälle. Die Schwierigkeiten für die Polizisten: Die Banden sind sehr mobil. Sie können heute im Aargau einbrechen und morgen bereits in der Ostschweiz wieder zuschlagen. «Zudem sind die Täter Tag und Nacht am Werk», sagt Graser.

Im Kanton Aargau stieg die Zahl der Einbruchs- und Diebstahlsdelikte im Vergleich zu 2011 um rund 30 Prozent. Besonders betroffen: Baden, Oftringen, Zofingen, Frick und Oberentfelden.

Rekordhalter ist jedoch Basel-Stadt. «Wir verzeichnen seit Jahresbeginn bei den Einbrüchen und Einschleichdiebstählen eine Steigerung von 45 Prozent», sagt René Gsell, Kriminalkommissär der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt. Im Juli und August lag die Zunahme sogar bei 60 Prozent. «Im Gegensatz zur Vergangenheit, wo Einbrüche von Jahres- oder Ferienzeiten abhängig waren, verzeichnen wir jetzt eine kontinuierliche Zunahme.»

Stark von Banden heimgesucht wird auch der Kanton Solothurn. «Wir gehen davon aus, dass dies auf die frühe Dämmerung zurückzuführen ist», sagt Melanie Schmid, Mediensprecherin der Kantonspolizei Solothurn. «Bei uns ist der ganze Kanton betroffen. Das liegt wohl an den vielen Verkehrsachsen, die bei uns durchführen.»

Mehr als 200 Millionen Franken Entschädigungen haben Versicherungen 2011 an Opfer ausbezahlt. Seit zwei Jahren steigen diese Zahlungen an.

Gemäss Bernhard Graser von der Kantonspolizei Aargau wählen Einbrecher meist den Weg des geringsten Widerstands. Deshalb können bereits einfache Präventionsmassnahmen Wirkung zeigen:
Licht brennen lassen,
Radio oder TV einschalten, bevor man das Haus verlässt,
Fenster und Türen ganz schliessen,
den Telefonanschluss auf das Handy umleiten.



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