Mit den Problemen der Auns muss sich Ecopop nicht mehr herumschlagen. Genf hatte noch vor einer Woche ein Paket mit rund 1500 Unterschriften gegen das Steuerabkommen mit Deutschland nur per B-Post versandt. Es traf einen Tag zu spät bei der Auns ein, was das Referendum scheitern liess.

Das muss der Genfer Staatskanzlei in die Knochen gefahren sein: Sie schickte ihre beglaubigten Unterschriften für die Ecopop-Initiative «Stopp der Überbevölkerung» diesmal per Swiss Express, «einem sehr teuren Expressdienst», wie Albert Fritschi sagt, Mediensprecher der Vereinigung Ecopop. «Genf hat seine Lektion offensichtlich gelernt.»

Ecopop ist der Durchbruch gelungen. «Wir haben 100 000 beglaubigte Unterschriften überschritten», sagt Fritschi. «Damit kommt die Initiative mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zustande.» Ecopop werde mindestens 110 000 beglaubigte Unterschriften einreichen, damit kein Unfall möglich sei. «Wir sind sehr erfreut, dass wir die magische Grenze überschritten haben.»

Damit ist klar: Die Schweiz stimmt in den kommenden drei Jahren zweimal über das Bevölkerungswachstum der Schweiz ab. Bereits im Februar hatte die SVP ihre Masseneinwanderungs-Initiative mit 136 000 Unterschriften eingereicht. Die SVP will statt der heutigen Personenfreizügigkeit Höchstzahlen und Kontingente für Ausländer einführen. Gemäss Bundeskanzlei muss der Bundesrat bis im Februar 2013 eine Botschaft an das Parlament verabschieden. Unterbreitet er einen Gegenvorschlag, hat er ein halbes Jahr länger Zeit. 30 Monate nach Einreichen der Initiative sollte die Bevölkerung abstimmen können.

Die Ecopop-Initiative «Stopp der Überbevölkerung – zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen» hingegen kommt aus dem ökologischen Lager und will die Zuwanderung der Umwelt zuliebe bremsen. Die ständige Wohnbevölkerung in der Schweiz dürfe infolge Zuwanderung im dreijährigen Durchschnitt nicht um mehr als 0,2 Prozent pro Jahr wachsen, fordert sie.

Was das konkret bedeutet, hat «Der «Sonntag» in einem Vergleich mit dem Wachstum zwischen 2001 und 2011 errechnet. Steigt die Bevölkerung real von 7,26 Millionen (2001) auf 7,95 (2011), wäre sie mit der Ecopop-Initiative nur auf 7,36 Millionen gestiegen: Die Schweiz hätte heute 590 523 Einwohner weniger.

Die Vereinigung Ecopop – Ökologie und Population – warnt seit Jahrzehnten vor Bevölkerungswachstum und vor den Folgen für Umwelt und Gesellschaft. Der Vereinigung gehören viele Hochschulprofessoren an. Wie das Wachstum auf 0,2 Prozent zurückgeschraubt werden könnte, sagt Ecopop in ihrem Initiativ-Text bewusst nicht. Fritschi: «Das ist Sache von Bundesrat und Parlament.» Er sieht zwei Möglichkeiten: «Man führt eine Kontingentierung auf 15 000 Einwanderer ein, wie wir sie schon vor 2001 hatten. Oder man führt eine Greencard für 15 000 Einwanderer pro Jahr ein.»

Bürgerliche Parteipräsidenten wie Philipp Müller (FDP) nehmen die Initiative sehr ernst. «Sie ist verlockend und clever formuliert und lässt ein bescheidenes Wachstum zu», sagt Müller. Auch könne man die Initianten «nicht in die politisch rechte Ecke» drängen. Es seien Akademiker aus allen Lagern.

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