VON BENJAMIN WEINMANN

In der Schweiz stehen rund 4500 Tankstellen. 3620 davon sind Markentankstellen, der Rest kleine Stationen von freien Unternehmern oder unbediente Zapfsäulen auf dem Land. «Das sind rund 2000 zu viel», sagt Daniel Hofer, Geschäftsführer der Migros-Tochter Migrol. «Die Versorgung wäre problemlos weiterhin gewährleistet, wenn diese wegfallen würden.» Zum Teil fahre man 400 Meter durch die Schweiz und komme an vier Tankstellen vorbei.

In Deutschland gibt es laut der Erdölvereinigung, dem Verband der schweizerischen Erdölwirtschaft, etwa 15 000 Tankstellen – also rund dreimal mehr. Flächenmässig ist Deutschland aber etwa zehnmal grösser. «Verglichen mit Europa haben wir in der Schweiz die grösste Tankstellendichte», sagt Isabelle Thommen, Sprecherin von BP.

Dass es in den kommenden Jahren zur grossen Konsolidierung kommen wird, darüber sind sich die Branchenvertreter einig. Die Frage ist nur: Wie viele Tankstellen werden verschwinden? «Ich schätze, dass in den nächsten fünf Jahren 300 bis 500 kleinere Tankstellen geschlossen werden», so Daniel Hofer von Migrol. Noch drastischer sieht es BP: «Wir gehen davon aus, dass in den nächsten fünf Jahren zwischen 20 und 30 Prozent der Tankstellen in der Schweiz verschwinden werden», sagt Sprecherin Isabelle Thommen. Das wären mehr als 1000 Tankstellen.

Treffen wird es in erster Linie ältere und kleinere Tankstellen. In den vergangenen Jahren blieb die Anzahl Tankstellen zwar relativ konstant. Doch in diesem Jahr zeichnet sich ein Trendwechsel ab: 2009 hat BP zwei neue Tankstellen eröffnet, bei sechs wurde der Vertrag nicht mehr verlängert. Migrol verzeichnete acht Abgänge und nur zwei Zugänge. Und bei Esso wurde nur eine neue Tankstelle eröffnet, dafür sechs geschlossen.

Der Grund für den Konzentrationsprozess: Die grossen Branchenplayer setzen nebst dem Benzingeschäft vermehrt auf grosse Shops mit langen Öffnungszeiten und den Verkauf von Chips, Milch, Pasta, Zeitschriften und Zigaretten. Damit erwirtschaften die Unternehmer nicht unbedingt die höheren Umsätze als mit dem Benzingeschäft.

Aber: «Renditemässig lässt sich dank des Shops einiges mehr pro Standort verdienen», sagt Daniel Hofer. Vor allem, wenn der Benzinkonsum abnimmt. Und das ist der Fall: Laut Erdölvereinigung wurden in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres 3,5 Prozent weniger Benzin getankt.

«Ein rentabler Tankstellenshop ist deshalb immer wichtiger», sagt Rolf Hartl von der Erdölvereinigung. Im vergangenen Jahr wurden rund 70 Prozent des gesamten Treibstoffabsatzes an Tankstellen mit Shop erzielt. Und 70 Prozent der Shops verfügten über Flächen von mehr als 50 Quadratmeter.

Beide Messwerte werden in Zukunft weiter steigen. «Wir bauen nur noch grosse Tankstellen mit integriertem Migrolino-Shop», so Daniel Hofer von der Migrol. Die Migros-Tochter ist mit Shell eine Partnerschaft eingegangen. Gemeinsam möchten sie mit dem Migrolino-Konzept Marktführer Coop Pronto einholen.

Die Konsolidierung dürfte beschleunigt werden, sobald neue Investitionen anstehen, zum Beispiel für neue Zahlungsgeräte. Viele Anbieter werden sich dann überlegen, ob sie einige tausend Franken in ihre alte Tankstelle investieren sollen.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!