Die Zürcher FDP-Nationalrätin Doris Fiala steht unter Dauerbeschuss. Seit bekannt geworden ist, dass die PR-Frau 50 000 Franken für das Präsidium der Aids-Hilfe Schweiz (AHS) bekommt, hagelt es Kritik. Bis jetzt wehrt sich Fiala gegen jegliche Rücktrittsforderungen. Vorgestern Freitag hat ihr die AHS an einer Vorstandssitzung einstimmig das Vertrauen ausgesprochen.

Fiala findet, dass das Salär gerechtfertigt ist, weil die AHS in einer finanziellen Notlage steckt und sie als Krisenmanagerin Ausserordentliches leisten muss – verbunden mit einem entsprechend hohen Zeitaufwand. Doch ein Dokument, das dem «Sonntag» zugespielt wurde, lässt Fragen an dieser Darstellung aufkommen: Es handelt sich um Fialas Arbeitsrapport.

Fein säuberlich ist darauf alles aufgelistet, was die Nationalrätin seit Anfang Jahr zur Rettung der AHS unternommen hat. Ob allerdings ein TV-Auftritt bei Tele Züri, eine Sitzung bei der Geschäftsstelle über eine Santé-TV-Sendung, Mediengespräche, Telefonkonferenzen ins Ausland, Sitzungen mit hohen Bundesbeamten inklusive Mittagessen und Aktenstudium «auf diverse Tage vereilt» ein Jahreshonorar von 50 000 Franken rechtfertigen, ist fraglich.

Fiala ist entsetzt, dass man ihre persönliche Liste publiziert. Diese sei lediglich wegen eines Missgeschicks auf der AHS-Geschäftsstelle weitergeleitet worden. Fiala: «Das ist meine persönliche Selbstkontrollliste. Wen ich treffe, geht eigentlich niemanden etwas an. Überhaupt sei die Liste nicht relevant. Massgebend sei ihr Pflichtenheft, in dem steht, dass sie rund 450 Stunden, davon 100 unentgeltlich, für die AHS leisten muss. Fiala nennt als Rechtfertigung für ihr 50 000-Franken-Honorar eine Studie, die belegen soll, dass andere Organisationen noch höhere Zahlungen leisten.

Fakt ist: Die Aids-Hilfe Schweiz besitzt das Gütesiegel der Schweizerischen Zertifizierungsstelle für gemeinnützige, Spenden sammelnde Organisationen, kurz Zewo genannt. Diese schreibt vor, dass 100 Stunden nicht entlöhnt werden. Wenn man praktisch jedes Telefonat, jeden TV-Auftritt usw. auflistet, hat man dieses Soll, wie der Arbeitsrapport zeigt, bereits in gut zwei Monaten erfüllt. Die Zewo schreibt weiter vor, dass die restlichen Stunden zu einem NGO-Tarif, der weit unter dem in der Wirtschaft üblichen Ansatz liegt, entlöhnt werden müssen. Fialas fürstliches Entgelt dürfte diese Norm nicht erfüllen.

Recherchen decken jetzt zusätzlich Brisantes auf: Die Zewo hat der AHS vor der Wahl Fialas ihre Einschätzung mitgeteilt und eine Überprüfung angeboten, ob es sich um eine Ausnahmesituation handelt. «Sie haben die Wahl durchgeführt, ohne diese Abklärungen vorzunehmen», kritisiert Zewo-Geschäftsleiterin Martina Ziegerer. Am 19. März wird darüber beraten, ob den Aids-Helfern das Gütesiegel aberkannt wird.

Auf die Kritik der Zewo reagiert man bei der AHS mit Empörung. Ziegerer kontert: «Wir lassen uns keinen Maulkorb verpassen.»

Dass die Nerven bei der Aids-Hilfe blank liegen, zeigt, dass sie noch bis gestern Samstagabend die Publikation des Arbeitsrapports zu verhindern versuchte. Unterschwellig wird damit gedroht, dass die Medien schuld daran seien, wenn die Aids-Hilfe Schweiz untergeht. Eigene Fehler sieht man keine.

Die Frage bleibt: Wie lange kann sich Fiala noch halten?

Beantworten Sie dazu die Sonntagsfrage.

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Das PDF-Dokument: Doris Fialas Stundenrapport: