VON KURT-EMIL MERKI

Die Zuschauer-Statistik der letzten 13 Jahre zeigt, dass der heutige FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger der mit Abstand erfolgreichste «Arena»-Moderator gewesen ist. Und sie zeigt, dass es Reto Brennwald gelungen ist, den Krebsgang der Sendung zu stoppen. Brennwald und Leutenegger hatten etwas gemeinsam: Sie liessen zu, dass in der freitäglichen Diskussionsrunde die Fetzen fliegen konnten.

Weniger Freude hatte das Publikum an Patrick Rohr und Urs Leuthard. Beide pflegten einen moderateren Moderationsstil. Diskussion statt Konfrontation hiess ihre Devise. Sonja Hasler – die studierte Theologin ist zurzeit Brennwalds Stellvertreterin und sie wird im Januar 2011 seine Nachfolgerin werden – steht für die vom Publikum nicht honorierte, von SF-Chefredaktor Hansruedi Schoch derzeit aber forcierte «weiche» Linie.

Seit Reto Brennwalddie «Arena» moderiert, liegt ein Generalvorwurf über der Sendung: SP und SVP seien übervertreten, die Mitteparteien kämen zu wenig zum Zug. Zuletzt hat sich CVP-Präsident Christophe Darbellay via «Basler Zeitung» über die Untervertretung seiner Partei beschwert und die Hoffnung deponiert, dass in Zukunft «die Kräfte der Mitte wieder vermehrt zu Wort kommen».

Auch da lohnt sich ein Blick auf die Statistik. Sie zeigt, dass in den vergangenen zwölf Monaten die wichtigsten Parteien in der «Arena» fast schon punktgenau gemäss ihrem Wähleranteil vertreten waren. Kommt dazu, dass die «Arena»-Redaktionsleitung mit der Stoppuhr darüber wacht, wie lange welcher Parteienvertreter spricht. «Der Sonntag» weiss, dass auch diese Statistik die Ausgewogenheit des Polittalks belegt.

Und dennoch muss Reto Brennwald die «Arena» beinahe schon Hals über Kopf verlassen. «Stopp!», wendet Chefredaktor Hansruedi Schoch ein. «Es handelt sich nicht um eine plötzliche Trennung». Er, die Redaktionsleitung und Brennwald hätten «in den vergangenen Monaten» Gespräche über die künftige Ausrichtung der ‹Arena› geführt, «es handelte sich also um einen längeren Prozess».

Als einer der Hauptgründe für Brennwalds Absetzung wird immer wieder dessen politische Nähe zur SVP angeführt. So ist verbrieft, dass er sich in der Fernsehkantine immer wieder in der Rolle des SVP-Parolendreschers gefiel. Gab dieses Verhalten den Ausschlag? Schoch: «Nein, Reto Brennwalds private politische Haltung spielte keine Rolle.»

Bleibt nur noch eine mögliche Ursache für die Neubesetzung des Moderatoren-Postens: Brennwalds gelegentliche Aussetzer. Unvergessen, wie er es am 5. November unterliess, SVP-Nationalrat Adrian Amstutz das Wort zu entziehen, als dieser Bundesrätin Simonetta Sommaruga beleidigend attackierte.

Unvergessen auch sein Auftritt bei den Bundesratswahlen vom 22. September 2010. Erst realisierte Brennwald nicht, dass die Kandidatin Jacqueline Fehr im dritten Wahlgang ausgeschieden war, dann liess er die unterlegene Kandidatin Karin Keller-Suter vor laufender Kamera wie bestellt und nicht abgeholt stehen und schliesslich machte er sich ein Spässchen auf Kosten des Wiler FDP-Parteipräsidenten Jigme Shitsetsang.

Die «Aargauer Zeitung» fasste kurz und bündig zusammen: «Moderator Reto Brennwald war den ganzen Morgen von der Rolle.» Ebenso kurz und ebenso bündig sagt SF-Chefredaktor Schoch, die Bundesratswahl habe beim Entscheid gegen Brennwald «keine Rolle» gespielt.

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