«Rauchen ist tödlich», steht auf jedem Zigarettenpäckchen. Nun zeigt eine neue Studie, in welchen Kantonen in der Schweiz die Krebssterblichkeit aufgrund des Tabakkonsums besonders hoch ist. 9000 Menschen sterben jährlich an den Folgen des Rauchens – knapp 3000 sind Frauen. Die häufigsten Ursachen sind Lungenkrebs und Herz-Kreislauf-Krankheiten.

Doch während immer weniger Männer dem Rauchertod erliegen, trifft es zunehmend Frauen. Wie Hochrechnungen zeigen, nimmt die Zahl in den nächsten fünf Jahren um 60 Prozent zu. Besonders betroffen sind Raucherinnen in den Westschweizer Kantonen, der Innerschweiz sowie im Tessin und in Schaffhausen.

Studienverfasser Thomas Cerny von der Universität St. Gallen begründet dies mit kulturellen Aspekten: «Das Welschland ist stark frankreichorientiert und dort gehören Alkohol sowie auch Zigaretten zur Gesellschaft.» Hinzu kommt: «In Städten und Agglomeration gehört heute das Rauchen für Frauen häufiger zum Lifestyle.»

Der Onkologe will mit seiner Studie die Kantone aufrütteln: «Durch die Aufschlüsselung der Probleme nach Geschlecht, Alter und Region sollen die Gesundheitsvorsteher sehen, wo sie gezielter mit Präventionsmassnahmen anknüpfen müssen.»

Nachholbedarf besteht vor allem im Kanton Wallis. Wie in Neuenburg und im Jura geht dort – anders als im Mittelland – die Krebssterberate der Männer nicht zurück. Und die Mortalität der Raucherinnen nimmt stark zu. «Ein Schwerpunkt in den kommenden Jahren ist, möglichst viele Jugendliche vom Rauchen abzuhalten», sagt Esther Waeber-Kalbermatten, Vorsteherin des Departements für Gesundheit, Soziales und Kultur. Ebenfalls geplant sind Entwöhnungsprogramme für Schwangere.

In den Kantonen Schwyz, Schaffhausen, Basel-Landschaft oder Aargau sinkt zwar die Zahl der männlichen Tabaktoten, dafür sterben jedes Jahr mehr Frauen am Zigarettenkonsum. «In den 80er-Jahren begann die öffentliche Hand, gezielt Tabakprävention zu betreiben. Dies bewirkte eine Abnahme des Konsums, vor allem bei Männern», sagt Maria Inés Carvajal, stellvertretende Aargauer Kantonsärztin. Da Männer prozentual deutlich mehr geraucht hätten, ergebe sich nun eine markante Abnahme der Sterblichkeit bei ihnen. «Zudem hat die damalige Prävention eher die Männer erreicht. Im Gegensatz zu heute wurde dem Genderaspekt wenig Rechnung getragen.»

Das sieht auch Cerny so: «Die Schweiz hat die Präventionskampagnen zu lange auf Männer ausgerichtet.» Die Folge: «Eine Lawine kommt ins Rollen», prognostiziert der Präsident Krebsforschung Schweiz. Die gesundheitlichen Schäden des Rauchens auf die Krebsentstehung wirken sich rund 20 Jahre verzögert aus. «Gerade weil noch heute viele Frauen in jungen Jahren zu rauchen beginnen, wird es bis 2030 mit diesen tragischen Exzesstodesfällen weitergehen.»

Neuste Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) zeigen, dass es in der Schweiz 1,68 Millionen Rauchende gibt. Drei Viertel von ihnen sind starke Raucher. Heute rauchen fast gleich viele Frauen wie Männer, deshalb kommt es bei der durchs Rauchen bedingten Sterblichkeit künftig zu einer Annäherung der Geschlechter. Gerade weil Frauen auch empfindlicher auf die krebsfördernde Wirkung des Zigarettenrauchens sind und deshalb schneller an Krebs erkranken.

Cerny ist aber überzeugt: «Prävention wirkt.» Das zeige sich bei den Männern. «Je höher der Bildungsgrad und das Einkommen desto erfolgreicher waren die Kampagnen bisher.»

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