Die Arbeitslosigkeit steigt – doch es gibt sie noch, die Job-Schaffer: Die grosse Stellenumfrage des «Sonntags» zeigt, dass nebenden Boom-Firmen Swatch Group und Swiss auch die SBB, der Kaffeehersteller Nespresso sowie der deutsche Discounter Lidl kräftig ausbauen.

Die grössten Jobmacher dieses Jahres suchen Uhrmacher, Mikromechaniker oder Bauingenieure. Die Uhrenindustrie expandiert im Stagnationsjahr 2012 als einzige Branche im ganz grossen Stil. Swatch-Chef Nick Hayek spricht gegenüber dem «Sonntag» von «mehreren hundert Stellen», die 2012 in der Schweiz geschaffen werden. Bereits für 2011 hatte er 1000 bis 1500 neue Jobs in Aussicht gestellt.

Genauere Zahlen will der Jobmacher für 2012 zwar nicht nennen. Doch allein drei Ausbauprojekte zeigen, dass die grösste Uhrenherstellerin der Welt in diesem Jahr mindestens 500 Stellen schaffen wird. So werden – wenn alles nach Plan läuft – Ende Jahr in Villeret im Berner Jura 200 neue Arbeitsplätze in der Uhrwerkproduktion entstehen. In Boncourt JU sind für die Produktion von Komponenten insgesamt 500 bis 700 Stellen geplant, rund 200 Stellen davon sollen nächsten Winter bereit sein.

Bereits im März wird Swatch in Genestrerio TI die zweite Etage des Ausbaus der Uhrenmontage-Fabrik eröffnen, wodurch weitere rund 50 Stellen dazukommen dürften. Dazu kommt die Umsetzung der Expansionsprojekte wie etwa der neuen Zifferblattfabrik in Grenchen, wo langfristig bis zu 1000 Arbeitsplätze entstehen können.

Ebenfalls grosse Ausbaupläne hegt der Luxusgüterkonzern Richemont, der in den nächsten Jahren rund 2000 Stellen in der Schweiz schaffen will, wie das Genfer Unternehmen Anfang November mitteilte. Wie viele neue Jobs bereits in diesem Jahr entstehen, ist indes nicht klar.

Piloten, Lokführer, Flugzeugtechniker, Kabinenpersonal und Zugbegleiter suchen im nächsten Jahr die Verkehrsunternehmen Swiss und SBB. Die Fluggesellschaft Swiss wird 2012 fünf Flugzeuge in Betrieb nehmen. Dadurch entstehen im Bereich Cockpit und Kabine rund 300 Arbeitsplätze. Dazu kommen 200 neue Stellen im Flugzeugunterhalt.

Die SBB rekrutieren derzeit Personal für die Sparten Personenverkehr und Infrastruktur. Trotz des Abbaus von 200 Stellen bei SBB Cargo und eines Sparprogramms in der Verwaltung wird sich der Personalbestand im nächsten Jahr um mindestens 280 Stellen erhöhen. Derzeit sind 600 Stellen offen.

Unternehmen mit konkreten Job-Ausbauplänen in der Schweiz sind aufgrund der Frankenstärke rar, wie die Umfrage unter 30 grossen Schweizer Arbeitgebern zeigt. Zu den wenigen Exportunternehmen, die 2012 Jobs schaffen, zählt der Kaffeekapsel-Hersteller Nespresso. «Die Frankenstärke sowie die massiv höheren Kaffeepreise spüren wir zwar auch. Dank einer stark steigenden Nachfrage befinden wir uns aber nach wie vor auf Wachstumskurs», sagt Schweiz-Chef Pascal Hottinger.

Bereits in diesem Jahr ist die Zahl der Mitarbeiter der Schweizer Nestlé-Tochter um 200 auf über 2000 gestiegen. 2012 werden laut Hottinger voraussichtlich nochmals so viele Stellen dazukommen. Im neuen Produktionszentrum in Avenches VD, das im Frühjahr eröffnet wird, werden Ende Jahr 800 Personen arbeiten. Doppelt so viele wie Ende 2010. Was Nespresso von anderen Schweizer Exporteuren unterscheidet: Um die Frankenstärke zu kompensieren, konnte das Unternehmen dieses Jahr im Ausland die Preise um 4 bis 6 Prozent erhöhen, ohne das Wachstum zu schwächen.

Im Detailhandel, der gegen den Einkaufstourismus kämpft, zählt Lidl Schweiz zu den wenigen Job-Machern. In diesem Jahr würden weitere Filialen eröffnet und mindestens 100 neue Stellen geschaffen, beteuert das Unternehmen gegenüber dem «Sonntag».

Daneben sind die Aussichten für 2012 eher düster, wie auch Konjunkturforscher Jan-Egbert Sturm bestätigt (siehe unten). Die Finanz- und Energiebranche haben neue Stellenabbauprogramme lanciert, in der Pharmaindustrie laufen neue Abbauprogramme oder alte sind noch nicht abgeschlossen. Und Stellenverlagerungen ins Ausland sind selbst bei Firmen in Kantonsbesitz wie der Axpo kein Tabu mehr. So hat die Axpo-Tocher EGL, die derzeit in das Mutterhaus integriert wird, einzelne Stellen nach Sofia verlagert.

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