VON PETER BURKHARDT

Die Schweizer Bergbahnen haben im abgelaufenen Tourismusjahr, das von November 2008 bis Oktober 2009 dauert, den Umsatz um 2,8 Prozent auf 1,08 Milliarden Franken gesteigert. «Das ist ein Rekordergebnis», freut sich Peter Vollmer, Direktor des Branchenverbandes Seilbahnen Schweiz.

Die Betriebe profitierten von optimalen Bedingungen während der beiden Hauptsaisons. Im Winter klingelten die Kassen dank den hervorragenden Pistenverhältnissen, was eine Umsatzsteigerung von 2 Prozent ergab. Noch besser lief es im Hochsommer, als das sonnige Wetter die Ausflügler in Scharen in die Berge lockte – plus 6,2 Prozent.

Überraschend: Auch die Wirtschaftskrise verhalf den Bahnen zu mehr Gästen. «Die Leute sind weniger weit gereist, dafür haben sie mehr Tagesausflüge im eigenen Land gemacht», sagt Peter Vollmer. Das konnten die fehlenden Touristen aus Japan, Grossbritannien und den USA mehr als ausgleichen. Vollmers Fazit: «Den Rekordumsatz gab es nicht trotz, sondern gerade wegen der Krise.»

Laut einer am Freitag veröffentlichten Analyse des «Swiss Equity Magazins» haben klassische Tagesausflugsziele, die aus den Agglomerationen einfach erreichbar sind, überdurchschnittlich profitiert. Unter den grössten Gewinnern finden sich viele kleinere und mittelgrosse Skigebiete in den Voralpen. So wurden im Kanton St. Gallen 17,3 Prozent mehr Skifahrer verzeichnet, in der Waadt 5,7 Prozent.

Auch in der Zentralschweiz erfreuten sich mehrere kleinere Skistationen an Rekordwerten. Hoch gelegene Skiorte wie Arosa, Davos, Laax oder Zermatt, die jeweils von ungünstigen Schneeverhältnissen in tiefen Lagen profitierten, hatten in diesem Jahr stagnierende Besucherzahlen.

Vom Boom der kleineren und mittelgrossen Bergbahnen profitieren auch die Anleger: Auf der Handelsplattform für ausserbörsliche Aktien der Berner Kantonalbank sind die wichtigsten Bahnen in einem eigenen Index zusammengefasst. Er hat seit Anfang Jahr mehr als 32 Prozent an Wert gewonnen.

Ihre Ertragskraft konnten die Bergbahnen dank dem guten Jahr weiter steigern. Das erlaubt es ihnen, kräftig in Anlagen, Beschneiung und Touristenattraktionen zu investieren. «Wir haben heute stärkere Unternehmen, auch dank Fusionen und Übernahmen», sagt Peter Vollmer.

Allerdings geht es nicht allen Bahnen blendend. «Wir haben immer noch solche, die eine ungenügende Ertragskraft haben und die den notwendigen Investitionsbedarf nicht decken können», so Vollmer. Weitere Zusammenschlüsse seien deshalb nötig.

Zwischen 2008 und 2012 beträgt das Investitionsvolumen laut Seilbahnen Schweiz rund 1,2 Milliarden Franken. Die Zermatt-Bergbahnen etwa steckten in diesem Jahr 28 Millionen Franken in die Verlängerung der drittlängsten Gondelbahn der Welt vom Schwarzsee nach Trockener Steg. Die Pilatus-Bahnen wollen in den nächsten zwei Jahren die Hotellerie und Gastronomie auf dem Pilatus für 30 Millionen Franken erneuern. Und die Stanserhornbahn plant die weltweit erste Cabrio-Bergbahn für 24 Millionen Franken.

Sogar in den Bau eigener Unterkünfte investieren die Bergbahnbetriebe vermehrt. Denn sie leiden darunter, dass viele Hotels dem Zweitwohnungsbau geopfert wurden. Damit sind die teuren Bahnen unter der Woche, wenn die Ferienwohnungsbetten kalt bleiben, zu wenig ausgelastet.

Die Weisse-Arena-Gruppe in Laax gibt deshalb bis 2011 über 100 Millionen Franken für das «Rocksresort» mit 1000 zusätzlichen Betten aus. Die Lenk-Bergbahnen wollen eine eigene Ferienwohnungssiedlung bauen, die Bergbahnen Engelberg-Titlis planen ein Feriendorf mit 125 Wohnungen, die Schilthorn-Bahnen in Mürren ein Hotel und 20 Wohnungen, und die Bergbahnen Engadin St. Moritz suchen nach einem Standort für ein eigenes Grosshotel.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!