Sie sind mobiler, einfacher zu warten und billiger: Bei den Kantonspolizeien ist seit einigen Jahren ein Trend zu sogenannten «semistationären Anlagen» feststellbar. Das sind Blitzkästen, die drei bis sieben Tage an einem Ort stehen. Die Kantonspolizeien Zürich, St. Gallen, Bern und Luzern haben in den letzten Jahren solche Geräte gekauft oder planen deren Anschaffung.

In der Schweiz stehen heute 763 fixe Blechpolizisten. Das zeigt eine Auswertung der Daten der deutschen «Speed Camera Database». Vor drei Jahren waren es schweizweit noch 718 Stück. Seit den 90er-Jahren hat sich die Anzahl verdoppelt. Damit gehört die Schweiz zu den Ländern mit der höchsten Blechpolizistendichte weltweit. Dabei sind dieser Statistik die mobilen Blitzfallen noch nicht erfasst, und gerade solche benutzen die Polizei-Korps heute immer häufiger — wie viele, ist nicht bekannt.

«Im Moment beobachten wir eine Tendenz hin zu semistationären Systemen», sagt Ueli Rothen, Geschäftsführer der Multanova AG. Das Unternehmen ist ein führender Hersteller von Geräten zur Verkehrsüberwachung. Laut Rothen seien eine Zeit lang fixe Anlagen gewünscht worden, danach mobile Systeme. Nun sei der Mittelweg in Mode.

Semistationäre Geräte bieten eine Kombination zwischen fix und mobil. Sie sind verschiebbar, aber trotzdem ohne grossen Aufwand zu betreiben. Das macht sie billig. Die Kantonspolizeien können auch auf Anfragen und Beschwerden von Bürgern und Gemeinden reagieren. Fixe Standorte haben sich an chronisch gefährlichen Stellen etabliert, machen aber nicht überall Sinn.

«Es besteht ein Trend hin zu semistationären Anlagen, da diese flexibler und sinnvoller eingesetzt werden können», sagt Esther Surber von der Kantonspolizei Zürich, die 8 semistationäre Anlagen besitzt. Die Stadtpolizei Zürich besitzt nochmals 17 Stück.

Am Wörtchen «sinnvoll» scheiden sich allerdings die Geister. Laut Surber würden die Anlagen dort eingesetzt, wo sie der erhöhten Verkehrssicherheit dienen: bei Schulen, Kindergärten, Altersheimen und anderen neuralgischen Stellen.

Gemäss Thomas Mayer, Geschäftsführer des Warndienstes Radar-Info-Zentrale, gebe es Beispiele, wo Geräte direkt neben Geschwindigkeitstafeln aufgestellt oder in Abfallcontainern versteckt worden seien. Da stehe nicht mehr die Verkehrssicherheit im Vordergrund. «Grundsätzlich machen Kontrollen an heiklen Stellen Sinn», sagt Mayer. «Allerdings müsste man die auch kennzeichnen.» Es nütze einem Kind nichts, wenn es von einem Auto angefahren werde und der Raser später per Post einen Einzahlungsschein erhalte.

Niklaus Zürcher, Direktor des Automobil-Clubs der Schweiz (ACS), fordert einen vernünftigen Einsatz der semistationären Anlagen. Falls die Geräte beispielsweise bewusst an abschüssigen Strassen eingesetzt würden, sei das Geldmacherei oder Schikane.

Es gibt tatsächlich zwei Beispiele, die in diese Richtung gehen. Anfang Februar hat die Regierung in Luzern das Bussen-Budget um 22 Prozent erhöht. In Bern will die Polizei vermehrt auf National- und Autostrassen kontrollieren, weil dort «tendenziell höhere Busseneinnahmen» zu erzielen seien.

Alt und falsch seien die Vorwürfe, dass die Standorte der Blechpolizisten aufgrund der möglichen Einnahmen für die Staatskasse gewählt werden, sagt René Ruf von der Stadtpolizei Zürich. Die Stadtpolizei Zürich werte zuerst Verkehrsdaten aus, bevor sie ein Gerät aufstelle. «Wir tarnen gar nichts», sagt er.

«Die Kritik, dass wir nur die Kassen füllen wollen, hört man von den Gegnern immer wieder», sagt Fredy Studer von der Luzerner Polizei, die in den nächsten zwölf Monaten zwei fixe Anlagen durch semistationäre ersetzen wird. Damit müssten Fahrzeuglenker jederzeit und überall mit einer Geschwindigkeitskontrolle rechnen, was sich präventiv auswirke. «Wenn Sie nie wissen, wo kontrolliert wird, dann halten Sie sich als Autofahrer eher an die Vorschriften», sagt Studer. Zudem könne man, im Vergleich zu mobilen Kontrollen, personelle Ressourcen einsparen.

Die Polizisten sind überzeugt, dass die mobilen Blitzer zur Verkehrssicherheit beitragen. Laut Hanspeter Krüsi von der Kapo St. Gallen werde auch Monate nach einem Einsatz noch langsamer gefahren. «Das dient der Verkehrssicherheit», sagt er. Man habe in den letzten drei Jahren daher zwei Geräte gekauft.

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