Mit 26 Milliarden Franken stehen die öffentlich-rechtlichen Pensionskassen derzeit in der Kreide. Das zeigen Recherchen des «Sonntags». Kaum eine Kasse kann die Renten der Versicherten mit ihrem Vermögen garantieren. Gerade mal drei kantonale Kassen haben eine Deckung über 100 Prozent.

In Wahrheit, so monieren Experten, ist die Lage noch viel dramatischer. Denn die meisten Kassen rechnen noch immer mit hohen Renditen: Im Extremfall von bis zu 4,5 Prozent wie im Fall der Kassen aus Genf und Freiburg.

Der Zürcher Wirtschaftsprofessor Martin Janssen unterstellt den Pensionskassen daher «Bilanzbetrug». Die Pensionskassen hätten ihre Zahlen während Jahren geschönt. Er fordert, dass die Pensionskassen denselben Zins verwenden, den der Kanton für eigene Schulden bezahlen muss. Der relevante Bruttozins liege so derzeit etwa bei einem Prozent, sagt Janssen zum «Sonntag». Daran müssen sich die Pensionskassen ausrichten.

Janssen geht mit seiner Forderung aufs Ganze, doch auch andere Experten fordern, dass die Kassen ihre Renditeerwartungen anpassen. Swisscanto-Experte Patrick Spuhler verweist auf den Richtwert von 3,5 Prozent, der im vergangenen Herbst vom Verband der Versicherungsexperten publiziert wurde und der in den kommenden Jahren noch weiter sinken werde. Und die Aargauer FDP-Ständerätin Christine Egerszegi ist der Meinung, der Zins dürfe derzeit nicht höher als 3 Prozent sein.

Für die Kassen haben die Zinssenkungen grosse Folgen. Denn wer mit weniger Rendite kalkuliert, braucht mehr Kapital, um die Renten zu finanzieren. Wenn man zu Marktbedingungen rechne, fehlten in Zürich nicht 4 Milliarden Franken wie ausgewiesen, sagt Janssen. Sondern 15 Milliarden. «Das bedeutet, dass die Steuerzahler während dreissig Jahren 10 Prozent mehr Steuern bezahlen müssen.»

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