Die Szene hat man schon oft gesehen: Ein Politiker blickt mehr oder weniger reumütig in die Kameras und entschuldigt sich vor der Welt für seine ausserehelichen Sexeskapaden. An seiner Seite, vielleicht ein Schritt zurückversetzt, steht seine Frau. So wie sie seit Jahren dagestanden ist: ohne dass ihr Gesicht verrät, was wirklich in ihr vorgeht.

Was nach dieser Szene passiert, ist die Ausgangslage von «The Good Wife», der neuen Montagabend-Serie auf SRF2. Julianna Margulies («ER») spielt Alicia Florrick, die Frau des Bezirkanwalts Peter Florrick (Chris Noth), der in einen Sex- und Erpressungsskandal verwickelt ist und dafür ins Gefängnis muss.

Wie soll es jetzt weitergehen? Während ihre Finanzen im Berufungsverfahren ihres Mannes eingebunden sind, sieht sich die studierte Anwältin und Mutter zweier Kinder gezwungen, nach jahrelanger Absenz wieder ins Berufsleben einzusteigen. «Die gute Ehefrau» landet einen Job in einer renommierten Anwaltskanzlei und wird nun jede Episode an einem Fall mitarbeiten, während sie gleichzeitig aus dem Scherbenhaufen ihrer Ehe eine neue Familien-Existenz aufzubauen versucht.

Als Inspiration für «The Good Wife» diente dem Schöpfer-Ehepaar Michelle und Robert King die Polit-Gattinnen Hillary Clinton, Elizabeth Edwards und vor allem Silda Wall Spitzer, die Harvard studierte Frau des Gouverneurs von New York und Präsidentschaftskandidat mit guten Chancen Eliot Spitzer, der nach einem Prostituierten-Skandal als Gouverneur 2008 zurücktrat.

Drei Monate vor der Erstausstrahlung von «The Good Wife» im September 2009 platzte schon der nächste Skandal: Mark Sanford, der Gouverneur von South Carolina, war eine Woche unauffindbar und behauptete, er sei ohne Handy-Empfang in den Bergen gewesen bis herauskam, dass er bei seiner Geliebten in Argentinien war. «Solche Skandale um Männer und Macht gibt es schon seit dem Anfang der Zeit und wird es auch immer geben», meint Julianna Margulies. «Ich habe das Buch von Mark Sanfords Frau Jenny gelesen. Sie schrieb darin, dass sie zusehen konnte, wie sich ihr Mann vom hingabevollen Vater und Partner, der die Welt verbessern wollte, in einen abgehobenen Politiker verwandelte, als er plötzlich auf Knopfdruck von allen Seiten bedient wurde: «Der Boden unter den Füssen geht verloren und das Realitätsverständnis verändert sich.»

Die Schauspielerin gibt zu, dass sie selber nicht immun gegen die Anziehungskraft eines mächtigen Mannes ist: «Ich bin ein Fan von Bill Clinton, er war einer unserer besten Präsidenten. Wir waren mal im gleichen Raum und er schaute mich an – ich bekam sofort weiche Knie.»

«The Good Wife» besticht nicht nur durch die Szenen einer Ehe in der Krise und den Schwierigkeiten beim beruflichen Wiedereinstieg, sondern auch durch die komplexen Fälle, die in der Anwaltskanzlei bearbeitet werden. Bald wird die «heilige Alicia» mit Situationen konfrontiert, in denen sich ihr Verständnis von Ethik und der Weg zum Ziel nicht miteinander vereinbaren lassen.

Auch deshalb geniesst die Serie sogar bei den echten Volksvertretern Respekt: Diese Woche geht in den USA die vierte Staffel mit einem Auftritt von Michael Bloomberg, dem Bürgermeister von New York, zu Ende.

Zudem hat die Popularität von «The Good Wife» Platz für weitere clevere Dramen geschaffen, in denen die Protagonistinnen ihren kühlen Kopf bewahren und ihre hysterischen Rollen als «verzweifelte Hausfrauen» hinter sich lassen.

Zum Beispiel «Political Animals» mit Sigourney Weaver als Hillary Clinton inspirierte ehemalige First Lady und Aussenministerin, die gleichzeitig versucht, ihre Faux-Pas anfällige Familie zusammen zu halten. Und natürlich «Scandal», die neue Serie von «Grey’s Anatomy»-Schöpferin Shonda Rhimes. Kerri Washington spielt darin die Leiterin einer Krisen-Management-Firma Olivia Pope, die eine Affäre mit dem Präsidenten hat und ihn zwischen den Laken weltpolitisch berät.

Seit 2009 hat «The Good Wife» unter anderem fünf Emmys und 2011 sogar einen Peabody Award für «Excellence in Broadcasting» gewonnen. Das sei ein grossartiger Tag für die Serie gewesen, erinnert sich Julianna Margulies.

Aber nur freuen konnte sie sich darüber nicht: «In der Zeit machten gerade Anthony Weiner mit seinem Sexting-Skandal und Arnold Schwarzenegger mit seinem unehelichen Sohn Schlagzeilen – eigentlich ist es ja auch traurig, dass wir immer wieder neues Leid ausschlachten können.

Da meint sie wohl das Leid der Betrogenen, denn die Sünder selber sind Stehaufmännchen: Schwarzenegger macht wieder Filme und Anthony Weiner rüstet sich derzeit zu einer Bürgermeister-Kampagne in New York.

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