In der Zürcher Universität werden sie hinter vorgehaltener Hand «Wirtschaftsflüchtlinge» genannt. Gemeint ist damit die starke Zunahme deutscher Professoren, die an der Uni für anhaltenden Unmut sorgt. Besonders extrem sei die Situation bei den Psychologen, wo es fast nur noch deutsche Professoren gebe. Kritik äussern gelte aber innerhalb der Universität als politisch hochgradig unkorrekt. Vor allem wenn sie von Schweizern kommt, sagt ein Insider. Die Uni wird sogar der Verschleierung über die massive Zuwanderung deutscher Akademiker verdächtigt. Der Vorwurf: Seit rund zwei Jahren werde deshalb die seit Jahrzehnten praktizierte Nationalzugehörigkeit im Vorlesungsverzeichnis weggelassen.

In dieser angespannten Situation giesst jetzt ausgerechnet eine deutsche Professorin von der theologischen Fakultät Öl ins Feuer. Die Professorin, mit Arbeitsplatz beim Zürcher Grossmünster, beleidigt die Schweiz. Öffentlich gemacht hat dies Ursula Pia Jauch, Professorin für Philosophie und Kulturgeschichte an der Uni Zürich, in einer Kolumne der «az».

Eine Tochter der deutschen Professorin wurde kürzlich als «Sauschwabenkind» bezeichnet, schreibt Jauch. Das sei zwar empörend, aber was dann folgte, habe sie als Schweizer Staatsbürgerin schockiert. «Die Kollegin meinte nämlich, sie wünsche der Schweiz einmal einen totalen Zusammenbruch, einen richtigen Untergang. Dann wäre es aus mit der schweizerischen Arroganz», gibt Jauch die Beleidigungen in ihrer Kolumne wieder.

Wer genau sich hinter der Person mit ihrer Wut auf die Schweiz versteckt, macht Jauch nicht öffentlich. Aber nach wenigen Klicks im Internet stösst man auf eine Professorin an der Theologischen Fakultät. Die Professorin äusserte ihre Kritik gegenüber der Schweiz im kleinen Kreis – im Zug nach einem Podiumsgespräch. In der Öffentlichkeit tönt es ganz anders. In einem Interview meinte sie, dass sie in Zürich dort angekommen ist, «wo sie sich immer gewünscht hat».

Der schnöde Mammon schien aber auch eine gewichtige Rolle gespielt zu haben, die Professur in Zürich anzunehmen. So wird in der Kolumne kritisiert, dass auch der Partner der Professorin eine Stelle an der ETH erhalten hat. «Dual career» nennt sich das und ist ein weiterer Kritikpunkt. Darunter versteht man die Unsitte, dass an die Uni berufene deutsche Akademiker für den Partner oder Partnerin gleich noch einen gut dotierten Job mitfordern. Dem Wunsch wird in der Regel immer entsprochen.

Kolumnistin Jauch bezeichnet dieses Vorgehen als «Vetternwirtschaft». Dass deutsche Akademiker bei den Niedrig-Löhnen in ihrer Heimat reihenweise ihr Land verlassen, erstaunt Professorin Jauch nicht. Spitz schreibt sie: «Das Motto der Republikflüchtlinge heisst: Man ist ja nicht blöd.» Die deutsche Professorin soll aber genug von ihrem Traumjob in Zürich haben und neue Auswanderungspläne schmieden. Sie und ihr Mann wollen bald einem Ruf nach Kanada folgen. Man warte dort nur auf sie.

Kolumnistin und Professorin Jauch schreibt dazu: «Ich hoffe es aus tiefem demokratischen Herzen.» Die Professorin selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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