Den Schweizer Skiorten stehe «ein strenger Winter» bevor. Das sagte Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid noch im Oktober. Und das Staatssekretariat für Wirtschaft prognostizierte einen Rückgang bei den Hotelübernachtungen um 0,9 Prozent.

Doch es kam anders. In St. Moritz im Coop bildete sich an Silvester eine riesige Schlange. 40 Minuten galt es vor der Kasse zu warten. In Arosa waren die Ortsbusse bis auf den hintersten Winkel gefüllt. Vielen Gästen blieb nichts anderes übrig, als die Ski bis zur Talstation zu buckeln. Und in Laax war das Parkhaus bereits am Morgen voll. Kurz: Die Wintersportorte verzeichneten zwischen Weihnachten und Neujahr einen rekordverdächtigen Gästeandrang.

Arosa war in den letzten Tagen des alten Jahres ausgebucht. Allein am 30. Dezember drängten 10 290 Gäste ins Skigebiet. «Das war ein absoluter Spitzentag», sagt Philipp Holenstein von den Arosa Bergbahnen. Grund für den Andrang war die Kombination von schönem Wetter, viel Schnee und der optimalen Lage der Feiertage. 47 Prozent liegen die Umsatzzahlen in Arosa und Mittelbünden über der Vorjahresperiode.

Arosa hat das Steuer allerdings auch selber herumgerissen. Nach der schlechten Wintersaison vom Vorjahr beschlossen über 20 Hoteliers und 50 Ferienwohnungsbesitzer, die Skischule für alle Kinder gratis anzubieten. Das Ziel, neue Gäste anzulocken, ist aufgegangen: Die beiden Skischulen verzeichneten seit Saisonbeginn 10 Prozent mehr Buchungen. «Ein riesiger Erfolg», sagt Yvonne Wüthrich von Arosa Tourismus. Für den Januar und Februar ist sie deshalb optimistisch.

Gelungen ist der Saisonstart auch in der Jungfrau-Skiregion. Grindelwald, Wengen, Lauterbrunnen und Mürren lockten mit einem unschlagbaren Spezialangebot: Bei zwei Hotelübernachtungen plus Skipass zahlt nur einer von zwei Reisenden. Ausserdem fahren Kinder samstags gratis.

Die Aktion wirkte: «Von Saisonbeginn bis jetzt verzeichneten wir ein Plus von 40,9 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode», sagt Patrizia Pulfer von den Jungfraubahnen.

Wo man auch hinhört: Das Gejammer ist der Freude gewichen. Hoch-Ybrig verzeichnet 10 Prozent mehr Umsatz als in der letzten Saison. Im Toggenburg waren die Ferienhäuser über die Jahreswende zu 100 Prozent ausgelastet. In Flims, Laax und Falera waren am 29. Dezember rund 21 000 Besucher unterwegs, 1000 mehr als am besten Tag im Vorjahr.

Die Vorausbuchungen für den Januar in den Hotels und Ferienwohnungen stimmen alle drei Ferienregionen optimistisch. «Wir spüren ein positives Buchungsverhalten gegenüber dem Vorjahr, auch wird wieder etwas länger im Voraus gebucht», sagt Katja Kamps, Marketingleiterin der Weissen Arena in Laax.

«Der Saisonstart ist geglückt», sagt Jürg Schmid, Chef der Marketingorganisation Schweiz Tourismus. «Der Superstart hilft und gibt der Tourismusbranche wieder jene Zuversicht, die ihr ein wenig abhanden gekommen ist.» Die pessimistische Prognose, die Schweiz Tourismus noch an der Wintermedienkonferenz vom Oktober verbreitete, werde nicht eintreffen, sagt Schmid. «Der Buchungsstand für die gesamte restliche Wintersaison liegt auf Vorjahresniveau, vielleicht sogar leicht darüber. Wenn das Wetter mitspielt, haben wir gleich viele oder sogar etwas mehr Gäste als vor einem Jahr, statt eines Rückgangs, wie ursprünglich prognostiziert.»

Die Trendwende zeigt sich auch im Nobelferienort St. Moritz und im Oberengadin. «Wir sind mit dem Verlauf der Festtage sehr zufrieden», sagt Sara Roloff von Engadin St. Moritz Tourismus. Den Umschwung brachte auch hier eine Preisaktion: Seit dieser Wintersaison kostet der Skipass ab zwei Hotelübernachtungen nur noch 25 Franken pro Tag. Das hat zu deutlich mehr Gästen geführt. Und diese seien wieder konsumfreudiger als im Krisenwinter 2011/12.

Einen Rekord verzeichneten über die Festtage die Zermatt Bergbahnen. An Silvester waren 18 428 Gäste im Skigebiet unterwegs. «Das sind 1000 mehr als der bisherige Rekordwert aus der vergangenen Saison», sagt Markus Hasler, Chef der Zermatt Bergbahnen.

Kurdirektor Daniel Luggen ist nach dem fulminanten Start in die Wintersaison «sehr zufrieden». Über die Festtage ist das 6000-Seelen-Dorf Zermatt auf eine Stadt mit 35 000 Menschen angewachsen. Die Stimmung sei ausgelassen und fröhlich gewesen. «Selbstverständlich kam es in Geschäften, beim Ortsbus und auch bei den Taxis zu längeren Wartezeiten, und an Silvester gab es wohl kein Restaurant, das nicht ausgebucht war.» Im Januar gibt es in den Zermatter Hotels zwar noch Platz. Aber Februar und März sind bereits gut gebucht.

Drei Gründe für den Boom:

1. Schönes Wetter und beste Pistenverhältnisse lockten in die Berge.
2. Die Feiertage lagen so günstig wie lange nicht mehr. Viele Angestellte machten die «Brücke».
3. Viele Skigebiete reagierten mit Preissenkungen und Sonderaktionen auf die Krise vom Vorjahr.

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