«DER TIEFPUNKT IST NUN ERREICHT»

Die Wirtschaft kommt wieder in Fahrt. Auf dem Arbeitsmarkt hingegen ist gemäss Aymo Brunetti das Schlimmste erst im Winter 2010/2011 vorbei.

VON FLORENCE VUICHARD UND YVES DEMUTH

Herr Brunetti, kommt jetzt der Aufschwung?
Aymo Brunetti: Es ist sehr schwierig, eine Trendwende richtig vorauszusagen – insbesondere vor dem Hintergrund dieser präzedenzlosen weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Wirtschaftsentwicklung dürfte in den nächsten Monaten weniger schlecht verlaufen. Spätestens im ersten Halbjahr 2010 sollten wir wieder leicht positive Wachstumsraten verzeichnen.


Glaubt man der Börse, dann geht es jetzt nur noch aufwärts.
Die Börse wie auch andere Indikatoren deuten darauf hin, dass die tiefste Talsohle durchschritten sein könnte. Dies sind gute Zeichen, die auf eine Erholung hinweisen, aber der Prozess ist noch sehr fragil. Eine Häufung schlechter Nachrichten kann das Bild rasch wieder verändern.


Kommt der definitive Aufschwung oder gibt es nochmals einen Rückschlag? Zeichnet der Konjunkturverlauf ein U oder ein W nach?
Einen erneuten scharfen Rückschlag halte ich für wenig wahrscheinlich, aber es gibt bei der Rückkehr zum Wachstum Hindernisse zu überwinden.


Welche?
Erstens widerspiegelt die jetzige Erholung die Entwicklung der Lagerbestände: Die Lager sind abgebaut worden und müssen aufgefüllt werden. Zweitens laufen die Wirkungen der weltweiten Stimulierungsmassnahmen gegen Ende Jahr zunehmend aus. Und drittens werden sich die Haushalteinkommen nicht sofort wieder erholen. Aus diesen Gründen scheint mir ein W am plausibelsten. Insgesamt gehe ich aber davon aus, dass der Tiefpunkt nun erreicht ist.


In Ihrer Prognose gehen Sie für 2009 von einem BIP-Rückgang von 2,7 Prozent aus, für 2010 von einem Minus von 0,4 Prozent. Halten Sie daran fest?
Es gibt derzeit keinen Grund, von den Prognosen abzuweichen. Sie bleiben aber für 2010 mit ungewöhnlicher Unsicherheit behaftet.


Deutschland verzeichnet schon jetzt wieder ein Wachstum.
Deutschland geht es deshalb nicht besser als der Schweiz – im Gegenteil. Deutschland muss im laufenden Jahr einen Rückgang von bis zu 6 Prozent hinnehmen und startet deshalb auf einem viel tieferen Niveau.


Sie sehen eine Trendwende in der Schweiz – aber auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich diese noch nicht.
Hier fängt die Talfahrt erst richtig an. Die saisonbereinigten Arbeitslosenzahlen deuten darauf hin, dass die Arbeitslosigkeit in diesem Herbst und Winter stark ansteigen wird.


Auf wie viel?
Der Höhepunkt der Arbeitslosigkeit dürfte uns im Winter 2010/2011 erreichen.
Wann werden wir denn wieder auf dem Vor-Krise-Niveau sein?
Nicht vor Ende 2011.

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