Diese Mission verzeiht keinen Fehler: Mit 21 000 Kilometern pro Stunde rast die Raumkapsel auf den Mars zu. Die Atmosphäre des Roten Planeten bremst die Kapsel ab, der Hitzeschild an der Unterseite beginnt hell zu glühen – hat er die Temperatur von 1600 Grad erreicht, wird er abgeworfen. Um die Kapsel weiter zu verlangsamen, wird ein riesiger Überschall-Fallschirm gezogen. Schliesslich wird der Mars-Rover Curiosity ausgeklinkt. Er befindet sich dann auf einer Plattform mit vier Raketen, die vom Marsboden wegweisen und so die Landung abbremsen. 20 Meter vor der Oberfläche hält die schwebende Plattform an, und der Rover wird mit einer Seilwinde abgesetzt.

Sieben Minuten wird die Landung dauern. Charles Bolden, der Chef der Nasa, nennt sie die «sieben Minuten des Terrors». Denn geht etwas schief, kommt der 2,5 Milliarden Dollar teure Rover als ein Haufen Schrott auf unserem Nachbarplaneten an. Doch läuft alles nach Plan, landet morgen um 7.17 Uhr (Mitteleuropäische Zeit), der bisher technisch versierteste Roboter auf dem Mars – und «blinzelt» kurz darauf mit seinem Kameraauge in die Sonne.

Der Rover wiegt knapp 900 Kilogramm und ist etwa so gross wie ein irdischer Kleinwagen. Per Fernsteuerung werden Nasa-Mitarbeiter den rollenden Roboter über den roten Sand lenken, seinen Arm ausschwenken, damit Gesteinsbrocken aufbohren und Staub zur chemischen Analyse ins Innere befördern. So wollen sie herausfinden, wie lebensfreundlich der Mars einmal war. Denn die Furchen in den Tälern auf der Südhalbkugel und grosse Eisfelder dicht unter der Oberfläche deuten darauf hin, dass es auf dem Mars einmal flüssiges Wasser in flüssiger Form gab und damit Bedingungen für Leben herrschten.

Millionen von Jahren, bevor es auf der Erde menschliche Zivilisationen gab, könnte es auf dem Mars also bereits Lebewesen gegeben haben. Möglich wäre sogar, dass es dort noch immer biologische Organismen unter der Oberfläche gibt. Curiosity soll helfen, dass wir diesem Rätsel bald auf die Schliche kommen. Und mehr darüber erfahren, unter welchen Bedingungen im All Leben entsteht.

Nach Zeichen für ausserirdisches Leben sucht auch Dimitar Sassalov, der Leiter des Forschungsprogramms Origins of Life an der Harvard University. Allerdings nutzten er und sein Team dazu nicht einen Mars-Roboter, sondern ein riesiges Teleskop, mit dem die Wissenschafter Sternsysteme betrachten, die Lichtjahre entfernt sind. Viele Forschungsteams in aller Welt tun es ihnen gleich. Sie alle suchen nach einem Planeten, auf denen es Leben gibt oder geben könnte. «Es gibt ein neues Weltraum-Wettrennen: Das Rennen um die Entdeckung der ersten Zwillingserde», schreibt Sassalov in seinem kürzlich erschienenen Buch «The Life of Super-Earths». An diesem «Wettrennen» partizipieren auch Astronomen der Universität Genf. «Wir suchen nach einer zweiten Erde, nach einem Planeten also, auf dem ähnliche Bedingungen für Leben vorherrschen müssen wie bei uns», sagt Francesco Pepe vom Observatoire Astronomique de l’Université de Genève.

Dass es in fremden Galaxien Planeten gibt, das wissen wir mit Sicherheit seit 1995. Damals entdeckte der Genfer Astronom Michel Mayor und sein Mitarbeiter Didier Queloz den ersten extrasolaren Planeten: Zirka 40 Lichtjahre von uns entfernt kreist dieser alle 4,2 Tage einmal um den Stern 51 Pegasi. Mittlerweile finden Astronomen fast täglich neue solche Exoplaneten. Für Sassalov steht deshalb fest: «Wir stehen unter dem Torbogen zu neuen Welten – zu Planeten, die wir unsere Heimat nennen könnten, zu Planeten, die andere vielleicht bereits Heimat nennen.»

Werden wir also bald Aliens finden? «Wohl kaum», winkt Michael Meyer, Astronom der ETH Zürich, ab. «Unser erstes Ziel ist es, herauszufinden, ob erdenähnliche Planeten im Weltraum häufig um sonnenähnliche Sterne kreisen – und wenn dem so ist, wo diese sind.» Denn die meisten Exoplaneten, die bisher gefunden wurden, sind grosse Gasplaneten – für Leben soweit wir wissen also gänzlich ungeeignet.

«Doch das heisst nicht, dass es keine erdenähnlichen Planeten gibt, sondern nur, dass es wegen ihrer kleinen Grösse schwierig ist, sie aufzuspüren», sagt Lisa Kaltenegger, die am Max-Planck-Institut in Heidelberg das Programm «Super-Earths and Life» leitet.

Die Planeten in anderen Sternensystemen kann man in der Regel noch nicht direkt durch ein Teleskop betrachten, weil sie von ihrem Stern überstrahlt werden. Aber man kann ihre Existenz indirekt nachweisen. Eine Methode besteht darin, dass man den Stern auf winzige Wackelbewegungen hin untersucht. Es handelt sich dabei um die Ausgleichsbewegung des Sterns, die dadurch hervorgerufen wird, dass ein Planet um ihn kreist. Von der dadurch entstehenden Kraft wird der Stern mitbewegt. «Das ist vergleichbar mit einem Spaziergänger, der von einem grossen Hund hin- und hergezogen wird», erklärt Kaltenegger.

Bei einer anderen Suchmethode wartet man, bis der Planet einen Transit macht, er sich also zwischen den Betrachter und den Stern schiebt und sich dieser leicht verdunkelt – wie das beim Venus-Transit am 6. Juni der Fall war. Aufgrund der Verdunklung lässt sich dann die Grösse des Planeten errechnen.

Fast 800 Exoplaneten haben die Forscher bisher entdeckt. Die meisten davon befinden sich ausserhalb der habitablen Zone – sie sind also entweder zu nahe an dem Stern oder zu weit weg, als dass auf ihnen Leben gedeihen könnte. «Das ist wie bei einem Lagerfeuer, ist man zu nahe dran, ist es zu heiss, sitzt man zu weit weg, zu kalt», erklärt Kaltenegger. Der nächste Schritt besteht nun also darin, einen erdengrossen Gesteinsplaneten in der habitablen Zone zu finden. Bereits gibt es erste Hinweise auf solche «Super-Erden».

Doch, haben wir einen solchen Planeten einmal entdeckt, wie finden wir dann heraus, ob es dort Leben gibt? «In-dem wir ihren spektralen Fingerabdruck analysieren», sagt Kaltenegger. Denn das Sternenlicht, das von der Atmosphäre des Planeten reflektiert oder gefiltert wird, weist Absorptionslinien auf – Spuren der Gase, die sich in der Atmosphäre befinden. Findet man neben den Spuren von Sauerstoff und Wasserdampf auch Methan auf einem erdenähnlichen Planeten in der habitablen Zone, so ist das ein klarer Hinweis auf Leben. Denn normalerweise reagiert Methan mit Sauerstoff zu Wasserdampf und Kohlendioxid.

Allerdings sind unsere Teleskope noch zu schwach, um den spektralen Fingerabdruck von einem erdengrossen Planeten klar zu identifizieren. Doch bald wird das möglich sein. 2018 wird das James-Webb-Teleskop in die Erdumlaufbahn geschossen. Damit lassen sich die Biosignaturen von erdenähnlichen Planeten analysieren – und die Suche nach Aliens kann richtig losgehen. «Es sieht ganz so aus, dass wir zur ersten Generation gehören, die ausserirdisches Leben entdeckt», sagt die 34-jährige Astrophysikerin Lisa Kaltenegger.

Fänden wir um unseren Nachbarstern Alpha Centauri – dort wo der Film «Avatar» spielt – Leben, so wäre sogar Kommunikation möglich. Würden wir eine Nachricht in Lichtgeschwindigkeit schicken und unsere «neuen Freunde» würden sofort reagieren, so hätten wir ihre Antwort in 9,6 Jahren.

Dagegen ist der Weg bis zum Mars, auf dem hoffentlich bald der Rover Curiosity im Sediment nach Spuren von Ausserirdischen stochert, geradezu ein Katzensprung. Lediglich 14 Minuten braucht das Signal des Rovers bis zur Erde. Ob die Landung morgen um 7.17 Uhr geklappt hat, erfährt die Nasa deshalb frühestens um 7.31 Uhr. Es dürften für die Nasa-Forscher wohl die längsten 14 Minuten ihres Lebens werden

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