VON NADJA PASTEGA

Diverse Apps sind ein Paradies für Datensammler. Die Miniprogramme für iPhones oder andere Smartphones durchforsten das digitale Ich der Handy-Besitzer – und das oft, ohne dass man etwas davon merkt. Es kommt noch dicker: Ein Teil der App-Betreiber gibt die vertraulichen Daten sogar an Dritte weiter – ungefragt.

Eine kürzlich vom «Kassensturz» publik gemachte Studie der Technischen Universität Wien zeigt das Ausmass des Datenklaus: Über die Hälfte von 1400 analysierten Apps sammelt Nutzer-Daten und leitet sie an Werbefirmen weiter.

Besonders dreist: Die Musikanwendung «Pandora» bedient Online-Marketing-Unternehmen mit Daten zu Alter, Geschlecht und Standort der App-Nutzer. Das Videospiel «Angry Birds», bisher über 10 Millionen Mal heruntergeladen, gibt die Kontaktdaten aus dem Adressbuch an Dritte weiter – und gleich auch noch den Standort, die Identifikationsnummer des Geräts und Zugangsdaten, wie das «Wall Street Journal» herausfand.

Auch das in der Schweiz besonders beliebte App «Viber», mit dem man kostenlos telefonieren kann, plündert den Handy-Speicher. Wer es auf sein Handy lädt, bekommt die Meldung, das Programm benötige Zugriff auf das Adressbuch. «Viber saugt das ganze Telefonbuch ab und bewahrt die Daten zu den Telefonverbindungen des Nutzers 30 Monate lang auf», sagt Bruno Baeriswyl, Datenschutzbeauftragter des Kantons Zürich und Präsident der Vereinigung der Schweizer Datenschützer: «Was mit diesen Daten passiert, ist völlig intransparent.»

Vor dem Datenhunger der Apps warnt auch Internet-Experte Thomas Heinis von der ETH Lausanne: «Heikel ist, dass damit viele Daten gesammelt werden können. Daraus lassen sich detaillierte Benutzerprofile erstellen.» Werbefirmen könnten damit die Smartphone-Besitzer gezielter bewerben, «im schlimmsten Fall kann das aber auch zu Identitätsdiebstahl führen», sagt Heinis.

Oft würden Apps sehr persönliche Daten speichern, zum Beispiel die Budgetplanung. «Diese Daten können auf einfache Art zweckentfremdet werden, etwa zur Einschätzung der Kreditwürdigkeit», so Heinis. Für Internet-Giganten eröffnet sich hier ein wahres Datenparadies: «Google kann viele Daten der Apps mit Benutzerdaten der restlichen Google-Dienste zusammenführen.» Und bekommt damit immer feinere Aufschlüsse über die Lebensumstände der Nutzer.

Der wuchernden Grauzone im Netz will Datenschützer Baeriswyl jetzt einen Riegel schieben – mit einem App-Gesetz: «Es braucht klare Vorschriften, dass App-Anbieter transparent machen müssten, wie sie ihr Geld verdienen», sagt Baeriswyl. Neu sollen die Betreiber auf «Sicherheitsstandards» verpflichten werden, die sicherstellen, dass die Daten integer bearbeitet würden und nicht einfach Handel damit betrieben werde, fordert der Datenschützer: «Diese Sorgfaltspflicht muss man jetzt gesetzlich verankern.»

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