Das Telefon klingelt am Mittwoch gegen 14 Uhr. Am anderen Ende meldet sich Reto T.*, der IT-Supporter der Bank Sarasin. Der Mann, der Bankdaten von Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand beschafft hat, was zu dessen Rücktritt führte.

Reto T. beschwert sich zuerst über den Artikel im letzten «Sonntag», in dem beschrieben wurde, wie er zusammen mit einem Kindergarten-Gschpänli (Anwalt Hermann Lei) den SNB-Chef stürzte. Und er kritisiert die Veröffentlichung seines E-Mails, das er an diverse Medien versandt hat.

Doch dann kommt Reto T. in dem fast 40 Minuten langen Gespräch auch auf andere Aspekte der «Affäre Hildebrand» zu sprechen.

Zu seinem «Kindergartenfreund» Hermann Lei, der nach seiner Version die Bankdaten ohne sein Wissen an Christoph Blocher und die «Weltwoche» weiterleitete, sagt er: «Ich habe ihn fast 20 Jahre nicht mehr gesehen. Er war in dieser Sache mein Anwalt und nichts anderes.» Und fügt hinzu: «Wenn er ein guter Kollege ist, wie alle behaupten, dann hätte ich keinen Strafantrag gegen ihn gestellt.» Ganz will er nicht mit dem Thurgauer SVP-Kantonsrat brechen: «Ich hoffe, Lei wird irgendwann ehrlich.»

Entsetzt war Reto T. über die Meldung, dass er einen Suizidversuch begangen habe. «Das stimmt nicht. Ich bin in der Klinik nicht wegen dem, was ich gemacht habe. Sondern wegen dem, was man mit mir gemacht hat.» Er bleibe auch noch eine Weile in Pflege, da es ihm immer noch nicht besonders gut gehe. Nach der Medienschelte wird der Datendieb konkreter und äussert sich zu den Bankauszügen, die laut «Blick» manipuliert wurden. Und er spricht über Christoph Blocher.

Reto T.: «Alles, was ich gemacht habe, ist, meinen Anwalt Lei über die Bankdaten zu informieren. Für alles andere bin ich ziemlich unter Druck gesetzt worden. Es gibt auch viele Sachen auf der Seite Blocher. Dort sollten Sie recherchieren – dort ist noch viel gelaufen.»

Weiter sagt er: «Blocher hat sehr gepusht, dass es publik wird. Das sehen Sie bei der ‹Weltwoche›, die immer wollte, dass ich ein Interview gebe. Ich wollte nie mit den Daten zur ‹Weltwoche›.»

Zur Geschichte, dass der Bankauszug Fälschungen aufwies, sagt Reto T.: «Ich habe mit Garantie nichts präpariert.» Und zum Vorwurf, dass dies kein Bankauszug ist, wie man sie den Kunden zustellt, lacht Reto T. erstmals: «Dass das kein Originalauszug für den Kunden war, weiss jeder Banker». Der IT-Experte präzisiert: «Die Unterlagen waren versiegelt in einem Anwaltcouvert. Ich bin es holen gegangen. Es sieht so aus, dass Lei sie vorgängig rausgenommen und kopiert hat. Was er dann damit gemacht hat, weiss ich nicht». Was Reto T. aber weiss: «Was ich in der ‹Weltwoche› sah, ist etwas anderes, als im Couvert war».

Neues gibts auch von Valentin Landmann, dem Anwalt von SVP-Kantonsrat Lei. Dieser habe schon am 13. Januar bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt, dass er die leeren Passagen beim Screenshot zusammengezogen habe. Abgedeckt wurden zudem der Name von Reto T. und sein Usercode sowie der Kundenberater von Hildebrand. Sonst sei von Lei nichts verändert worden.

Gemäss Landmann sei bei einem Kontakt zwischen Lei und Blocher diskutiert worden, welcher Zeitung man die Hildebrand-Bankdaten geben könnte. Landmann: «Blocher hat sich dann positiv zum Vorschlag der ‹Weltwoche› geäussert. Das sei die geeignete Zeitschrift. Die würden das sicher bringen.»

Anwalt Landmann hat weitere Neuigkeiten, wie es – nach Version Lei – zur Selbstanzeige von Reto T. am Neujahrstag gekommen ist. Der Ex-Mitarbeiter der Bank Sarasin sei in Panik geraten, als seine Bankkarte nicht mehr funktionierte. Er dachte: Jetzt haben sie mich. In seiner Panik habe er sich dann der Polizei gestellt.

Reto T., so Landmann weiter, sei nach seinem Geständnis davon ausgegangen, dass man jetzt gegen Hildebrand vorgehe. Als dies nicht der Fall war, habe Reto T. unmittelbar nach dem Geständnis mit Lei Kontakt aufgenommen. Dabei sei beschlossen worden, die «Weltwoche» mit den Unterlagen zu bedienen. So habe es ihm Lei erzählt. Reto T. bestreitet dies vehement. Er habe Hildebrand nicht schaden wollen und sei gegen eine Veröffentlichung in der «Weltwoche» gewesen, sagt der Datenbeschaffer zum «Sonntag».

Am Ende des Telefonats gibt sich Reto T. sogar optimistisch: «Am Schluss wird auskommen, wie die Story wirklich gelaufen ist.»

*Name der Redaktion bekannt

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